"Die Presse" - Glosse von Burkhard Bischof

Ausagabe vom 23.7.2003

Wien (OTS) - Böser Uncle Sam
Die Ergebnisse der jüngsten Eurobarometer-Umfrage über die Einstellung der Österreicher zu den Vereinigten Staaten sind geradezu erschreckend negativ ausgefallen. Aber sie können nicht weiter überraschen. Jeder, der sich in diesem Land mit außenpolitischen Fragen beschäftigt hat und mit anderen Interessierten darüber sprach, spürte instinktiv, dass das Amerika-Bild zuletzt immer düsterer, immer fratzenhafter, immer abstoßender wurde.
Amerika, noch bis in die Neunzigerjahre auch für Generationen von Österreichern die "shining city on the hill", hat für eine Mehrheit seine Anziehungskraft verloren. Auch für manche heimische Massenmedien sind die USA längst keine "leuchtende Stadt" mehr, sondern eine Art Goldgräbersiedlung, in der politische Desperados das Sagen haben.
Aber warum? Wer tiefer bohrt als die Eurobarometer-Umfrage, stößt bei Erklärungsversuchen mit größter Sicherheit auf die jetzige Administration. Es ist die Person des amtierenden Präsidenten, seine Politik und seine Art der Artikulation politischer Inhalte, die alle bewussten und unterbewussten antiamerikanischen und Amerika-kritischen Gefühle zum Ausbruch bringen: George Bush ist der Fleisch gewordene böse Uncle Sam.

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