WirtschaftsBlatt-Kommentar Mittwoch-Ausgabe

"Banken torpedieren Wirtschaftswachstum"

Wien (OTS) - Was den Göttern Griechenlands ihr Ambrosia, dem Volke Israel sein Manna und dem kleinen streitbaren Dorf in Gallien sein Zaubertrank war, ist ein EZB-Zinsschritt für die Euro-Konjunktur. Das möchte man zumindest glauben, wenn man das Trommelfeuer verfolgt, dem die Notenbank seitens Politik und Wirtschaftsvertretungen fast täglich ausgesetzt ist. Ob ein Leitzins unter drei Prozent sinnvoll ist, oder nicht, warum Japan bei einem Zinsniveau von null Prozent noch immer nicht das Land der Seligen ist, das sind Fragen, die berechtigt sind und die Antworten lassen genügend Platz für Pro-und Contra-Positionen. Keinen Spielraum für Pro-Positionen bietet aber ein Blick auf das Zinsniveau der österreichischen Bankenszene:
Der Unterschied zwischen den Zinssenkungen der Notenbank und denen der einzelnen Institute liegt im Kreditgeschäft bei bis zu 35 Prozentpunkten. Die Banken geben die Zinssenkungen also nur zum Teil an Geschäfts- und Privatkunden weiter, die viel beschworene Stimulierung von Wirtschaft und Konsum durch leichter zugängliches Geld wird damit torpediert.

Zugegeben: Auch die Banken haben unter der Krise zu leiden. Das Wertpapiergeschäft ist angeschlagen. Dazu kommen die Belastungen, die sich bei manchen Instituten im Laufe ihrer überzogenen Expansionen angehäuft haben. Die Investitionsdynamik der Privatwirtschaft ist praktisch zum Erliegen gekommen, was wiederum das Kreditgeschäft schädigt. Aber genau beim diesem letzten Punkt beisst sich die Katze in den Schwanz: Denn mit den hohen Zinsen nimmt die Investitionslust ab, das Kreditgeschäft geht zurück, die Banken beharren auf höheren Zinsen, um die Ausfälle auszugleichen etcetera, etcetera.

Nichtsdestotrotz: Der Bankensektor ist wie Japan zeigt die Achillesferse jeder Ökonomie. Er kann die Wirtschaft eines Landes beleben oder abwürgen. Und das auf viel direktere Weise als die Europäische Zentralbank, die in der Effektivität ihrer Zins- und Konjunkturpolitik komplett von den Kommerzbanken abhängig ist. Warum also ist der rhetorische Druck den österreichische Wirtschaftsvertretungen, oder das Finanz- und Wirtschaftsministerium auf die EZB ausüben um so viel höher, als der, der auf die heimische Bankenwelt erfolgt? Wahrscheinlich weil es deutlich bequemer ist, auf die Zentralbank hinzuschlagen, als den Direktoren Treichl, Samstag und Co. die eine oder andere unbequeme Frage zu stellen.

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