Österreichische Ärztekammer zu deutscher Gesundheitsreform

Brettenthaler: Deutsche Gesundheitsreform kein Vorbild für Österreich - Köck-Forderung zum Schließen kleinerer Spitäler "unsensibel und nicht nachvollziehbar"

Wien (OTS) - Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Reiner Brettenthaler, sieht in der deutschen Gesundheitsreform viele österreichische Ansätze verwirklicht. Vieles, was in Deutschland im Rahmen der Reform nun geplant sei, sei hierzulande schon längst Realität, erinnerte Brettenthaler in einer Presseaussendung am Dienstag. So gebe es in Österreich anders als in Deutschland seit langem eine Krankenscheingebühr. "Die nun in Deutschland geplanten zehn Euro bei Arztbesuchen pro Quartal sind letztlich nichts anderes als ein Äquivalent dazu", erklärte Brettenthaler. Auch sei der Zahnersatz in Österreich bereits seit langem aus dem Katalog der gesetzlichen Kassen ausgelagert. Beim Thema Medikamenten-Verschreibung gebe es in Österreich eine völlig andere Ausgangsposition, da in Deutschland weitaus mehr Medikamente frei verschreibbar seien.

Generell steht Brettenthaler einem verstärkten Einsatz von Generika in Österreich positiv gegenüber. Es müsse jedoch auch mehr dafür getan werden, das Kostenbewusstsein in der Bevölkerung zu heben, was die Medikamente angehe, so der ÖÄK-Präsident. Medikamente sollten daher ausgepreist werden, damit für jeden ersichtlich sei, was sie kosten. Ferner könne auch die Mehrwertsteuer auf Medikamente gesenkt werden, die in Österreich im europäischen Vergleich sehr hoch sei.

Die Forderung des Gesundheitsökonomen Christian Köck nach einem Schließen kleinerer Spitäler im heutigen ORF-Morgenjournal hält Brettenthaler für einen Ausdruck fehlender Sensibilität und Detail-Kenntnisse des hiesigen Gesundheitssystems. Es sei nicht nachvollziehbar, wie Milliardenbeträge ausgerechnet durch das Schließen kleinerer Strukturen wie etwa Gemeindespitäler eingespart werden könnten. "Genau das Gegenteil ist der Fall: Wir brauchen auch kleinere Spitäler für eine wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung und können diese Einrichtungen nicht einfach zusperren, zumal eine adäquate Versorgungsstruktur im niedergelassenen Bereich bislang bekanntermaßen fehlt. Was wir allerdings brauchen, ist eine bessere überregionale Angebotsplanung, die verhindert, dass alle, auch die kleinen Spitäler in unmittelbarer Nachbarschaft, das volle medizinische Angebot zur Verfügung stellen. Man sollte sich in diesem Zusammenhang Schwerpunktsetzungen und Spezialisierungen überlegen", so Brettenthaler. "Bei Gesundheitsreformen ist jedenfalls Augenmaß gefragt und keine Kahlschlag-Aktion à la Köck. Das sind Überlegungen, die vom grünen Tisch aus erfolgen und praktischer Kenntnisse des täglichen Umgangs mit Patienten entbehren."

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