Positionspapier des Vorstandes der voestalpine AG

Linz (OTS) - Die öffentliche Diskussion über die weitere Privatisierung der voestalpine AG hat bei Kunden, Aktionären und Mitarbeitern zu erheblicher Verunsicherung und Besorgnis geführt. Der Vorstand der voestalpine AG möchte daher in dem vorliegenden Papier seine Position, die von allen Mitgliedern des Vorstandes uneingeschränkt geteilt wird, darlegen und damit dem Anspruch der Stakeholder auf eine Stellungnahme des Unternehmens zu der in der Öffentlichkeit geführten Diskussion Rechnung tragen.

Festzuhalten ist zunächst, dass die Republik Österreich als Eigentümer der ÖIAG die vollständige Privatisierung der voestalpine AG gesetzlich festgelegt und den Organen der ÖIAG einen diesbezüglichen Privatisierungsauftrag erteilt hat. Dieser rechtliche Rahmen ist vom Vorstand der voestalpine AG weder zu kommentieren, noch sind Alternativen vorzuschlagen, sondern er ist von uns zu akzeptieren.

Aufgrund der Ereignisse der vergangenen Monate, in denen die Zukunft des voestalpine-Konzerns Gegenstand sowohl von wirtschaftlichen Spekulationen als auch parteipolitischen Auseinandersetzungen wurde, entstand bei Mitarbeitern und Kunden große Unruhe bzw. Unsicherheit. Vielfach werden vor diesem Hintergrund Zweifel an der Fortsetzung des erfolgreichen Weges des voestalpine-Konzerns laut. Darüber hinaus ist eine derartige Diskussion auch nicht geeignet, das Vertrauen von Investoren zu fördern. Der Vorstand hält daher mit allem Nachdruck fest, dass die derzeitige Form der Diskussion um die voestalpine AG dem Engagement österreichischer und internationaler Investoren vielfach nicht förderlich ist und somit den Interessen unseres Konzerns schadet.

Wir begrüßen daher die vom Vorstand und Aufsichtsrat der ÖIAG am 10. Juli 2003 getroffene Entscheidung, die weiteren Privatisierungsschritte in einem zügigen und transparenten Verfahren kurzfristig umzusetzen. Da sich die Republik Österreich und die ÖIAG klar für eine rasche Privatisierung der voestalpine AG ausgesprochen haben, sehen wir einen ehestmöglichen gänzlichen Rückzug des Staates als die für unser Unternehmen beste Lösung, um wieder Ruhe und langfristige Berechenbarkeit herzustellen. Wir nehmen unter den gegebenen Voraussetzungen daher auch Abstand von unserem früheren Wunsch auf Begleitung unserer Wachstumsstrategie durch die ÖIAG noch für die kommenden zwei bis drei Jahre.

Wir sind als Vorstand nicht nur rechtlich verpflichtet, sondern auch aus persönlicher Überzeugung bestrebt, zum Wohle des Unternehmens zu handeln. Wir glauben daher, dass im Rahmen der weiteren, vollständigen Privatisierung der voestalpine AG folgende Grundsätze zu berücksichtigen sein werden:

1. Wir haben bereits vor einigen Jahren eine vom Aufsichtsrat uneingeschränkt mitgetragene strategische Neuausrichtung vorgenommen, in deren Rahmen sich der voestalpine-Konzern auf der Grundlage einer qualitativ führenden Stahlbasis durch Ausbau des Verarbeitungsbereiches zum Komplett-/Systemanbieter mit Schwerpunkt Automobil und Bahnsysteme entwickelt. Diese Strategie, die bisher sehr erfolgreich umgesetzt wurde, basiert auf einer integrierten Wertschöpfungskette im Sinne eines Zusammenwirkens der vier Divisionen in der Stahlerzeugung und -weiterverarbeitung. Die Entwicklung des voestalpine-Konzerns, der im vergangenen Geschäftsjahr in Umsetzung dieser Strategie trotz eines schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeldes immerhin das zweitbeste Ergebnis seiner Geschichte erzielen konnte, zeigt, dass die Ausrichtung und der zum Erreichen dieses Ziels gewählte Weg richtig ist. Die Einheit des Konzerns in seiner bestehenden Struktur ist daher aus unserer Sicht zentrales Kriterium für eine weiterhin erfolgreiche Strategieumsetzung. Aus diesem Grund hat sich der Vorstand auch stets nachdrücklich für eine weitere Privatisierung über den Kapitalmarkt und nicht einen strategischen Partner ausgesprochen. Es gibt dafür keinen vom Portfolio her passenden Partner.

2. Zur Umsetzung der Konzernstrategie hat die voestalpine umfangreiche Investitionen - allein an den Standorten Linz und Donawitz im Ausmaß von rund 2,6 Milliarden Euro - geplant bzw. bereits in Angriff genommen. Damit sind auch für die betroffenen Regionen bedeutende Wirtschaftsimpulse verbunden. So ist "Linz 2010" das größte Investitionsprogramm eines Unternehmens in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte und wird am Standort Linz nicht nur 9.000 bestehende Arbeitsplätze sichern, sondern - ohne Subventionen - zusätzlich rund 1.000 neue Stellen schaffen. Darüber hinaus wurden aufwändige und ambitionierte Langfristprogramme für unsere Mitarbeiter (z. B. das Projekt "LIFE") gestartet. Sowohl die Investitionsprojekte als auch die Initiativen für die Belegschaft orientieren sich an der langfristigen Strategie des Gesamtkonzerns sowie an deren Erfordernissen und wären bei grundlegenden Änderungen im Zuge der neuen Eigentümerstruktur massiv gefährdet.

3. Die voestalpine AG ist für die Wiener Börse von maßgeblicher Bedeutung. Umgekehrt stellt der Kapitalmarkt für das weitere Wachstum unseres Unternehmens langfristig eine unverzichtbare finanzielle Ressource dar. Bei der Prüfung möglicher Privatisierungsvarianten sollte daher sowohl im Interesse des österreichischen Kapitalmarktes als auch unseres Konzerns sichergestellt werden, dass die voestalpine AG als börsennotiertes Unternehmen mit einem möglichst hohen Anteil freier Aktionäre (neben institutionellen Finanzinvestoren) ihre Notierung an der Wiener Börse behält.

4. Neben der strategischen stellen auch die personelle Kontinuität sowie das kulturelle Selbstverständnis zentrale Erfolgsfaktoren des voestalpine-Konzerns dar. Diese Identität gilt es auch künftig zu wahren, insbesondere im Hinblick auf die laufende Integration der neu akquirierten Unternehmen.

5. Ein wesentlicher Faktor für eine auch in Zukunft erfolgreiche Entwicklung unseres Unternehmens ist die international anerkannte Qualitätsmarke voestalpine, die für Problemlösungskompetenz, Partnerschaft und Innovation steht, und die es nicht nur zu erhalten, sondern weiter zu stärken gilt.

Der Vorstand der voestalpine AG und die Mitarbeiter des Konzerns bekennen sich zur konsequenten Fortsetzung des eingeschlagenen strategischen Weges, der in den vergangenen Jahren mit großem Engagement und beachtlichem wirtschaftlichen Erfolg eingeschlagen wurde. Wir erwarten uns daher auch im Namen der Führungskräfte und Mitarbeiter des voestalpine-Konzerns, dass die Entscheidung über unsere künftige Eigentümerstruktur so gestaltet wird, dass die erfolgreiche Weiterverfolgung unserer Strategie ermöglicht wird. - Im Sinne unserer Kunden, Aktionäre und der weltweit rund 23.000 Mitarbeiter.

F. Struzl W. Eder W. Haidenthaler W. Spreitzer J. Mülner F. Hirschmanner

Linz, 22. Juli 2003

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Wilhelm Nitterl
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