Billigere Medikamente statt höherer Selbstbehalte

Probst: "Angesichts der Rekordgewinne der Pharmawirtschaft noch genügend Spielraum für Preis- und Spannensenkungen"

Wien (OTS) - Billigere Medikamenten-Preise, weniger
Verschreibungen und damit geringere Mengen oder höhere Selbstbehalte für die Versicherten: Diese Alternativen sieht der für den Arzneimittelbereich zuständige Geschäftsführer im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Josef Probst, angesichts der für die soziale Krankenversicherung dramatischen Entwicklung bei den Medikamentenkosten. Probst: "In Summe rechnen die Krankenkassen heuer mit einem Kosten-Anstieg in Höhe von 153,7 bis 197,7 Millionen Euro". Zum Vergleich: Nach vorsichtigen Schätzungen werden die Beitragseinnahmen heuer lediglich um 113 Millionen Euro wachsen und sind damit deutlich unter dem Kostenanstieg bei den Medikamenten. Bereits im abgelaufenen Jahr 2002 verschlangen die Ausgaben für Medikamente 20 Prozent der Gesamtausgaben der sozialen Krankenversicherung und gehören damit neben den Ausgaben für ärztliche Leistungen und den Aufwendungen für die Spitäler zu den größten Ausgabepositionen der sozialen Krankenversicherung.

Um dieser für die Finanzsituation der Kassen bedrohlichen Entwicklung gegenzusteuern hat der Hauptverband der zuständigen Bundeministerin für Gesundheit und Frauen, Maria Rauch-Kallat, ein aus mehreren Maßnahmen bestehendes Forderungspaket übergeben. An oberster Stelle steht dabei ein Antrag auf Senkung der Spannen im Pharmagroßhandel und bei den Apotheken sowie eine Überprüfung der Industriepreise. Probst: "Mit 29 Prozent liegen die durchschnittlichen Spannen der heimischen Apotheker im europäischen Spitzenfeld". Zum Vergleich: In Italien beträgt die Spanne der Apotheken 22,4 Prozent, in Schweden und Portugal 20 Prozent, in Großbritannien gar nur 17,3 Prozent. Gelingt es in den bevorstehenden Verhandlungen, die Handelsspannen zumindest auf das europäische Durchschnittsniveau zu senken, könnten rund 100 Millionen Euro eingespart werden. Daneben werden mit der Pharmaindustrie und den Pharmaimporteuren Verhandlungen mit dem Ziel geführt, die Preise für die Sozialversicherung als Großabnehmer zu senken. Probst: "Bedenkt man, daß ein Pharmariese wie Novartis im vergangenen Geschäftsjahr ein Viertel seines Umsatzes als Gewinn verbuchen konnte, sehe ich in der Pharmaindustrie noch genügend Spielraum für Preissenkungen".

Als weitere mittel- bis langfristige Maßnahme peilt der Hauptverband aber auch Strukturänderungen im Medikamtenvertrieb (Stichwort Versandhandel) und fordert eine Senkung der Mehrwertsteuer. In Österreich beträgt der Mehrwertsteuersatz für Medikamente 20 Prozent, im europäischen Durchschnitt liegt dieser bei 7,3 Prozent. Probst: "Wenn es gelingt, in Österreich das Mehrwertsteuerniveau bei Medikamenten auf das Niveau von Schokolade (10 Prozent) zu senken, könnten allein rund 200 Millionen Euro eingespart werden."

Trotz der dramatischen Kosten-Entwicklung im Medikamentenbereich steht für den Geschäftsführer des Hauptverbandes aber außer Zweifel, daß den Patienten in Österreich Medikamente nach dem neuesten Stand der Medizin zur Verfügung zu stellen sind. Probst: "Die soziale Krankenversicherung ist Anwalt von 8 Millionen Versicherten. Und diese haben ein Recht darauf, daß sie im Krankheitsfall mit den besten auf dem Markt befindlichen Medikamenten versorgt werden".

In Österreich sind derzeit über 13.000 Arzneispezialitäten zugelassen, davon befinden sich rund 4.700 im Handel.

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