WirtschaftsBlatt-Kommentar von Herbert Geyer

"Bankbeamte" haben keine Zukunft

Wien (OTS) - Zwischen Erste Bank und
Privatangestelltengewerkschaft tobt ein zäher Kampf um den künftigen Kollektivvertrag. Die Angestellten der Sparkassen werden im Volksmund ja nicht umsonst als "Bankbeamte" apostrofiert. Der derzeitige Kollektivvertrag stellt sie, sobald sie einmal zehn Jahre im Unternehmen verbracht haben, praktisch den Beamten gleich: Sie sind de facto unkündbar. Und ihre Gehälter steigen alle zwei Jahre zusätzlich zu den jährlichen Gehaltsrunden zur Inflationsabgeltung um rund zwei Prozent. Die Erste rechnet vor, dass ihr allein diese regelmässigen Vorrückungen jährlich 20 Millionen Euro an Mehrkosten bescheren. Die Privatangestellten-gewerkschaft dürfte noch nicht mit gekriegt haben, dass auch bei Bund und Ländern dem klassischen Beamtentum gerade der Garaus gemacht wird. Den speziellen Kündigungsschutz der Pragmatisierung werden im bundesdienst künftig nur noch wenige Beamte in eng umrissenen Funktionen geniessen:
Richter, Staatsanwälte und andere exponierte Funktionen. Der Wegfall des Kündigungsschutzes bedeutet nicht, dass deswegen gleich wild hinaus geschmissen werden muss: Obwohl der Bund bekanntlich in grossem Stil Personal abbauen muss und seine Vertragsbediensteten keinen Kündigungsschutz geniessen, hat es unter ihnen auch in den letzten drei Jahren keine Kündigungswelle gegeben. Dass regelmässige Gehaltsvorrückungen zusätzlich zum Inflationsausgleich auch für die Beschäftigten nicht das Gelbe vom Ei sind, haben andere Gewerkschaften bereits begriffen. So haben z.B. die Journalisten, denen ihr KV alle fünf Jahre eine zehnprozentige Gehaltserhöhung bescherte, von sich aus eine Abflachung dieser üppigen Zuwächse angeboten: Ältere Arbeitnehmer würden sonst unerschwinglich. Den "Bankbeamten" ist zu wünschen, dass ihre Vertreter die Zeichen der Zeit begreifen zumal sich die Institute des Sparkassensektors auf einem Markt bewegen, dessen übrige Teilnehmer nicht mit so üppigen KV-Privilegien gesegnet sind: Die Angestellten der Banken können vom Beamtenstatus nur träumen. Wenn Erste und BA-CA ihren Mitarbeitern auf Dauer mehr zahlen müssen als ihre Konkurrenten (ganz zu schweigen von denen im benachbarten Ausland), dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich diese hoch bezahlten Arbeitsplätze in Rauch aufgelöst haben. Denn: Wer nicht mit der Zeit geht, der muss mit der Zeit gehen.

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