Leo Zogmayer in Krems

Nackte ikonenlose Rahmen

Krems (OTS) - Der russische Maler Kasimir Malewitsch hat einst "nackte ikonenlose Bilder" gemalt. Leo Zogmayer, bildender österreichischer Künstler, hingegen macht "nackte ikonenlose Rahmen", also leere Bilder.

Zogmayer bezieht sich hiermit auf den Ursprung allen Bildermachens im Spannungsfeld zwischen Bildgläubigkeit und ikonoklastischer Bildabsage. "Du sollst dir kein Bildnis machen", warnt schon einer der ältesten Bibeltexte. "Und dementsprechend geht es in meiner Arbeit um offene bis leere Bilder. Meine Rahmen sind ein Kontrapunkt zu den Bildern, von denen wir umgeben sind, die auf uns einprasseln und die wir im Kopf haben. Ich mache Nicht-Bilder."

Zogmayers Rahmen sind auch Bezugspunkte im Raum. Sie sind Anhaltspunkte, skulpturale Aufhänger und Impulse für die Wahrnehmung. "Es sind sichtbare Zeichen, mit denen wir uns ein neues Bild zum Beispiel vom kulturellen Komplex Stadt, in diesem Fall der Stadt Krems machen können", sagt Leo Zogmayer.

Aktion "Mach dir ein Bild von Krems"

Die bislang größten Rahmen stellten Zogmayer und sein Team in der Nacht des 16. Juli in Krems auf. Insgesamt sind es sechs großvolumige plastische Interventionen im öffentlichen Raum, die bis Oktober in und um Krems stehen werden. Die größten Objekte haben die Ausmaße von einem Haus. 16 mal 10 Meter. Zogmayer: "Manche Menschen werden die Rahmen interessant finden, anderen werden sie im Weg stehen."

Die Irritationen, die seine Objekte auslösen, sollen eingefahrene Wahrnehmungsmuster aufbrechen. "Das ist zweifelsohne ein zentrales Moment aller Kunst. Platzieren wir solche Sender im öffentlichen Raum, außerhalb der Kunstbetriebsorte Galerie, Museum usw., wirken sie im sozialen Organismus Stadt wie aktive Impfungen. Erst wenn zeitgenössische Kunst zu einem vertrauten Topos des städtischen Inventars wird, ist ein differenzierter Umgang mit ihr möglich. Erst dann kann Kunst über die Auslastung bürgerlicher Toleranzgrenzen hinaus fruchtbar werden."

Mut der Stadt

Wenngleich Krems eine Kleinstadt ist, so verfügt sie in Zogmayers Augen über ein gewaltiges und unterschätztes, brachliegendes kulturelles und ökonomisches Potential. "Diesen Schatz gilt es zu heben und das geht nur über qualitative Intensivierung der Kommunikation. Den Mut für einen ersten Schritt haben die Stadtväter nun bewiesen."

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