SIND FRAUEN BESSER?

Sie schnallen sich zumindest häufiger an, fahren defensiver und seltener unter Alkoholeinfluss, so das KfV

Wien (OTS) - Sind Frauen die besseren Autofahrerinnen? Tatsache
ist, dass Männer öfter in schwerwiegendere Verkehrsunfälle verwickelt sind als Frauen und sich das sogenannte "schwache Geschlecht" durch weit disziplinierteres Verhalten im Straßenverkehr als die "männliche Spezies" auszeichnet. Vor allem in punkto Anschnallen und Verzicht auf Alkohol hinterm Steuer haben Frauen die Nase vorn, weiß das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV). Obwohl das Risiko getötet zu werden ohne Gurt siebenmal so hoch ist und Alkoholunfälle ansteigen, wird beides noch immer fälschlicherweise als Kavaliersdelikt abgestempelt. Die Anschnallquote liegt mit 78,9 Pro-zent bei Frauen um rund sieben Prozent über jener der Männer.

Frauen sind in leichtere Unfälle verwickelt

Im Vergleich zu Männern ist ihr Anteil zwar marginal, allerdings hat sich die Anzahl der alkoholisierten Lenkerinnen um 50 Prozent erhöht: Im Jahr 1997 betrug ihr Anteil nur 6,5 Prozent, im Jahr 2002 bereits 9,6 Prozent. Männer sind allerdings häufiger in Alleinunfälle verwickelt - ein Zeichen für Kontrollverlust und überhöhte Geschwindigkeit. Die Frage wer nun besser und wer schlechter fährt können KfV-Experten dennoch nur folgendermaßen beantworten: Keiner. KfV-Direktor Dr. Othmar Thann: "Proportional zu ihrer Verkehrsteilnahme sind Pkw-Lenkerinnen und Lenker an gleich vielen Unfällen beteiligt. Fest steht jedoch, dass Frauen ein überaus positives Fahrverhalten an den Tag legen und zudem im Durchschnitt in leichtere Unfälle verwickelt sind."

Frauen biegen schlechter ab, Männer rasen

Laut Unfallstatistik 2002 waren 71 Prozent der im Straßenverkehr Getöteten männlich, nur 29 Prozent weiblich. Bei den Verunglückten waren 57 Prozent Männer und 43 Prozent Frauen. Laut KfV-Statistik sind doppelt soviele Männer als Frauen (66% zu 33%) als Fahrzeug-Lenker am Straßenverkehr beteiligt. Aber 83 Prozent der Männer und nur 17 Prozent der Frauen werden als Fahrzeug-Lenker im Straßenver-kehr getötet. Thann: "Frauen sind die sozial verantwortungsbewussteren und vorsichtigeren Fahrer. Verstärkt unfallbeteiligt sind sie an ungeregelten Kreuzungen bzw. beim Einbiegen. Männer verursachen die schwereren Unfälle und neigen eher zu Raserei, Aggressivität und Selbstüberschätzung - verfügen jedoch über erhöhtes fahrtechnisches Geschick".

Sicherer Fahrstil durch Mehrphasenausbildung propagiert

In Alleinunfälle sind vor allem junge männliche Lenker zwischen 18 und 20 Jahren überproportional verwickelt. Mit der Mehrphasenfahrausbildung können Fahranfängerunfälle reduziert werden, wie das finnische Modell zeigt, wo bereits im zweiten Jahr nach der Einführung Fahranfängerunfälle halbiert werden konnten. Psychologen des Kuratorium für Verkehrssicherheit haben zur Vorbereitung der Mehrphasenausbildung Fahrlehrer und Fahrtechnikinstruktoren geschult. Dabei wird ein neues Bild des guten Autofahrers in den Mittelpunkt gerückt, wonach nicht nur Geschicklichkeit und Fahrdynamik, sondern auch soziale Verantwortung - somit der sichere Fahrstil maßgebend ist.

Unterschiedliche Sozialisation Schuld am Fahrverhalten?

Warum verfallen weniger Frauen dem Geschwindigkeitsrausch als Männer? KfV-Verkehrspsychologen erklären sich diese Tatsache durch die unterschiedliche Vorbildwirkung der beiden Geschlechter. Väter geben demnach als Autofahrer nicht immer die beste Vorbildwirkung ab. Das Image der Männer als Autofahrer resultiert auch aus dem männerdominierten Rennsport - und hier steht bekanntlich nicht sozi-ales Verhalten im Vordergrund.

Thann: Punkteführerschein wichtige Maßnahme

"Partnerschaftliches Verhalten im Straßenverkehr - von weiblichen Lenkerinnen meist praktiziert - ist eine Notwendigkeit im Sinne der Verkehrssicherheit. Leider gibt es aber immer wieder einige schwarze Schafe, die durch ihren aggressiven Fahrstil und ihr gefährliches Verhalten wie extreme Raserei, gefährliches Überholen, Fahren unter hohem Alkohol- oder Drogeneinfluss oder Geisterfahrten andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Eine wichtige Maßnahme, um den hohen Blutzoll auf österreichischen Straßen zu reduzieren ist der Punkteführerschein. Es ist nicht sinnvoll nur mit immer höheren Strafen und längeren nicht aufeinander abgestimmten Führerschein-Entzügen gegenzusteuern. Keinesfalls geht es um die Verfolgung geringer Tempoüberschreitungen oder von Parkdelikten. Verfolgt werden sollen nur einige wenige wirklich gefährliche Delikte, wie zum Beispiel Rasen im Ortsgebiet mit 100 km/h!" In Frankreich, England und Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern hat sich das System bereits seit Jahren bewährt.

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