Kossina: Kauf schlau in der Umweltmusterstadt Wien

Initiative "Abfallvermeidung in Wien" ist erfolgreich

Wien (OTS) - 50 Prozent der Dosen von Energydrinks landen im Restmüll und nicht im Sammelbehälter für Metalle, eine Verwertung ist damit nicht mehr möglich. Bierdosen werden bis zu 100 Prozent richtig getrennt und gesammelt. Zeitungen gelangen zu über 90 Prozent im Altpapierbehälter.

Billigere Getränke - weil oft im Mehrwegsystem angeboten -verursachen zumeist weniger Abfall und geringere Umweltbelastung. Einkaufssackerl aus Kunststoff werden bis zu 70 Prozent ein zweites Mal als Müllsack verwendet. Dies sind Ergebnisse eines spannenden Versuchs in zwei Wiener Wohnhausanlagen. Erstmals können Testfamilien ihre Einkäufe über Scanner in eine Internetdatenbank eingeben und so umweltfreundliche Einkaufstipps künftig für alle Wienerinnen und Wiener erstellen. Erstmals scannte ein Studententeam der Wiener Wirtschaftsuniversität die Produkte im Restmüll und in den Altstoffbehältern in eine Datenbank ein - um den Weg der Produkte innerhalb der Abfallwirtschaft besser verfolgen zu können.

In einem Mediengespräch mit Umweltstadträtin Dipl. Ing. Isabella Kossina, Abfallverringerungsexperte o.Univ.Prof. Dr. Gerhard Vogel und Mag. Henriette Gupfinger von der Initiative Abfallvermeidung in Wien wurden am Mittwoch erste Ergebnisse des Projekts "Kauf schlau in Wien" sowie die neue Homepage http://www.abfallvermeidungwien.at/ präsentiert.

Im Rahmen der Initiative "Abfallvermeidung in Wien" werden im Jahr 2003 insgesamt 23 verschiedene Projekte umgesetzt, mit denen die steigenden Abfallmengen verringert werden sollen. Nun liegen erste Zwischenergebnisse vor.

Kossina: "Untersuchungen zeigen: Je höher das Einkommen des Bürgers, der Bürgerin, desto mehr Abfälle werden im Haushalt erzeugt. Ziel ist es, mit sinnvollen Projekten der Müll-Lawine den Kampf anzusagen und abfallarmes Einkaufen attraktiv machen. In erster Linie geben wir Informationen über den Umgang mit Produkten. Abfall vermeiden, heißt Ressourcen sparen, saubere Straßen, weniger Müll und Umwelt schonen. Die Abfallvermeidungsprojekte laufen erfolgreich und zeigen aufschlussreiche Ergebnisse."

Beim Projekt "Kauf schlau in Wien" steht der abfallarme und umweltfreundliche Einkauf im Mittelpunkt. Zwei Wohnhausanlagen in Wien wurden wissenschaftlich untersucht: Die Bewohner einer Reihenhaussiedlung in Oberlaa mit 61 Reihenhäusern und rund 200 Personen und ein moderner Siedlungskomplex im 2. Bezirk, Vorgartenstraße, mit 270 Wohnungen und rund 430 Bewohnern.

Im ersten Teil des Versuches erhielten alle BewohnerInnen Informationen, die sie bei ihrem Einkauf unterstützen, abfallarme, umweltschonende und kostengünstige Produkte zu bevorzugen. Ziel war es, einen Beitrag zur Abfallvermeidung zu leisten und zusätzlich die eigene Geldbörse zu schonen.

Umwelt schützen und Geld sparen

Als erste Hilfestellung wurde eine über das Internet abrufbare Datensammlung (http://kauf-schlau.at/ ) von mehr als 700 Getränken erstellt. Aus einem Angebot von 10 Getränkearten - von Limonaden über Mineralwasser bis zu Bier- können jeweils die kostengünstigste, abfallärmste und jene mit der geringsten Umweltbelastung (mit dem niedrigsten Treibhausgaseffekt) ausgewählt werden. Die Testpersonen können so ganz konkret jenes Produkt mit der besten Ökobilanz wählen. Optisch wurden in der Datenbank Produkte mit sehr guten Ökobilanzen mit vier Sonnen gekennzeichnet. Keine Sonne wurde für die umweltbelastendste Verpackung vergeben.

Die Analyse zeigt: Bei Mineralwasser liegen die Kosten in Wien zwischen 0,15 Euro pro Liter und 2,98 Euro pro Liter. Billigere Varianten werden öfter im Mehrwegsystem angeboten und verursachen daher weniger Abfall (Altstoffe plus Restmüll). Durch eine PET-Mehrwegflasche (unter Berücksichtigung der Umlaufzahlen) fällt vier Gramm Abfall pro Liter an, bei einer Glas Mehrwegflasche sind es 20 Gramm Abfall pro Liter und bei einer Einwegglasflasche sind es bis zu 700 Gramm pro Liter, also bis zu 175 mal höhere Abfallberge.

Kossina: "Das geringere Verpackungsgewicht führt zu weniger Abfall und verursacht damit auch geringere Umweltbelastungen." Würde man vom teuersten Produkt am Markt (oft Einweg) zum billigsten (oft Mehrweg) wechseln, könnte man für dieselbe Geldmenge rund 20mal mehr Mineralwasser konsumieren - oder einfach sparen. Für die Umwelt jedoch viel entscheidender ist, dass eine Einwegflasche auch rund 20 mal mehr Ressourcen verbraucht als eine Mehrwegflasche. Der Griff zu Mehrweg ist für die Umwelt entscheidend, denn man kann die Umwelt schützen und gleichzeitig sparen. Mehrweg macht weniger Mist, ist in der neuen Form der PET MW Gebinde gleichzeitig leicht und praktisch."

Univ. Prof. Gerhard Vogel: "Wir bieten mit der genauen Analyse der 700 Getränke einen alternativen Konsumstil an. Es geht um den Versuch, Änderungen beim Konsumieren herbeizuführen. Wer die Umwelt schützen will, kann dies auch tun. An erster Stelle steht die Information. Für so viele Produkte wie in dieser Datenbank wurden Ökobilanzen noch nie erstellt."

Scannen der Produkte in den Müll- und Altstoffcontainern zeigt bis zu 40 Prozent Einsparungsmöglichkeit

Ein Teil des bisherigen Versuchs bestand darin, dass die Produkte in den Müll- und Altstoffcontainern im Rahmen von Analysen gescannt wurden. Damit können wertvolle Informationen über das Konsumverhalten und das Trennverhalten festgehalten werden. Die erste Analyse zeigt, dass von 30 am häufigsten im Restmüll und in den Altstoffcontainern gescannten Produkten 16 Getränkeverpackungen im Einwegsystem, zumeist PET-Flaschen und Aluminiumdosen waren.

Kossina: "Würden die Konsumenten diese Getränke im Mehrwegsystem kaufen, könnte der Müllberg der Testpersonen um mehr als die Hälfte nach dem Gewicht und sogar um drei viertel nach dem Volumen reduziert werden. Gleichzeitig könnten die Konsumenten damit knapp die Hälfte ihrer Ausgaben für Getränke sparen."

Energiedrinks werden nur zum geringen Teil getrennt gesammelt

Die Trenndisziplin der Projektteilnehmer war vorbildlich: Die Abfallstoffe der 30 häufigsten Produkte - von Zeitungen, über Zigarettenverpackungen, Tierfutter- bis zu Getränkeverpackungen -wurden zum Teil 100 Prozent richtig getrennt und gesammelt. Bei vielen Produkten gab es nur zwei bis vier Fehlwürfe. Nur bei 10 Prozent war die Fehlwurfquote höher.

Kossina: "Am schwierigsten ist es für manche ihre "Energydrinks" richtig zu trennen: 60 Prozent dieser Dosen landeten im Restmüll. Mir ist es wichtig, dass es hier die selbe hohe Trennschärfe erreicht wird, wie bei Altpapier, wo eine über 90 prozentige Zuordnung in den Altpapierbehälter erfolgt."

Interessant auch folgende Ergebnisse: Die Testpersonen in den Einfamilienhäusern kaufen mehr Mehrweggetränke als die Testpersonen in der Wohnhausanlage.

Neue Internet-Site http://www.abfallvermeidungwien.at/

"Das Internet ist ein zentrales Informationsmedium der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien". Es dient als wichtiges Instrument zur Weitergabe von Informationen der Stadt Wien zum Thema Abfallvermeidung und zur Präsentation der Aktivitäten und der Projekte im Rahmen der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien". Seit Anfang dieser Woche ist die neue Website Abfallvermeidung Wien online", betonte Henriette Gupfinger von der Initiative Abfallvermeidung in Wien. Mittels eines Navigationsmenüs kommt man zu folgendem Informationsangebot

o // INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien"

Hier erfährt man mehr über die Beweggründe der INITIATIVE, Details über die Mitglieder der Strategiegruppe Abfallvermeidung sowie Statements von Umweltstadträtin Dipl.-Ing. Isabella Kossina und von VertreterInnen aller teilnehmenden Organisationen. Auch gibt es Informationen über die aktuellen Aktivitäten im Rahmen der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien"

o // Veranstaltungen

Hier findet man eine Übersicht über alle vergangenen und geplanten Veranstaltungen im Rahmen der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien".

o // Aktuelle Projekte

Schon Ende 2002 wurde im Rahmen der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien" ein offener Wettbewerb durchgeführt. Die von einer internationalen Jury ausgewählten und zur Zeit durchgeführten 23 Projekte werden in diesem Bereich der Website präsentiert.

o // Abgeschlossene Projekte

Informationen über bereits durchgeführte Abfallvermeidungsprojekte der Stadt Wien sind hier unter Angaben der Projektlaufzeit, der Projektauftraggeber und -nehmer erhältlich. Einige Projektberichte und Kurzfassungen können bereits kostenlos heruntergeladen werden.
o // Links

Hier finden sich Links zu wichtigen Institutionen, Unternehmen oder Projekten.

o // Netzwerk

Unter Netzwerk sind die Mitglieder der Strategiegruppe Abfallvermeidung und die aktuellen ProjektnehmerInnen und -partnerInnen dargestellt. Dieser Bereich soll Schritt für Schritt mit PartnerInnen aus der Wirtschaft, JournalistInnen und anderen unterstützenden AkteurInnen ergänzt werden.

o // Bibliothek

Diese Seite gibt eine Übersicht über aktuelle Artikel und Publikationen zum Thema Abfallvermeidung. Die Angaben sind keineswegs vollständig und werden daher laufend von der Koordinierungsstelle Abfallvermeidung (Content Management) ergänzt.

o // Forum

Weiters unterstützen geschlossene Diskussionsforen der Projekte "Nachhaltige Abfallvermeidung in Wiener Krankenanstalten und Pflegeheimen (NABKA)", "Mehrwegforum Wien" und "Evaluierung des Restmüllvermeidungspotentials durch aufkommensbezogene Verrechnung der Abfallentsorgung in einem Wiener Einkaufszentrum" die Arbeit der ProjektnehmerInnen. Nach Anmeldung bei den zuständigen ProjektnehmerInnen können Sie mit username und passwort Beiträge und Kommentare zu den einzelnen Projekten posten.

o Weitere Informationen über die INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien": Koordinierungsstelle Abfallvermeidung (Mag. Henriette Gupfinger) Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT), Hollandstraße 10/46, 1020 Wien, Tel.: 01 315 63 93-19, Fax: DW 22, office@abfallvermeidungwien.at , http://www.abfallvermeidungwien.at/

(Schluss) bfm

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Mag. Birgit Flenreiss-Mäder
Tel.: 4000/81 353, Handy: 0664/32 69 753
fle@ggu.magwien.gv.at

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