Gubitzer: Haubner-Vorschlag bedeutet Strafsanktion für Frauen

Frauen stehen vor gesellschaftlichem Paradigmenwechsel

Wien (OTS) - =

"Wir stehen vor gesellschaftlichem Paradigmenwechsel"
erklärt Christine Gubitzer, FCG Bundesfrauenvorsitzende, zur Debatte rund um die Angleichung des Pensionsantrittsalters für Frauen.

"Die von den Höchstrichtern jüngst wieder aufgeworfene Frage um die Angleichung des Pensionsantrittsalters für Frauen muss in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Schon die letzte Reform zeigt deutlich, dass die bestehenden Pensionsregelungen für Männer gemacht wurden. Die Berufsbiographien der Frauen passen in dieses System nicht wirklich hinein. Es fehlt an einem klaren Bekenntnis der Regierung, dass Frauen nur dann eine wirtschaftliche Absicherung für das Alter haben, wenn sie davor in Vollzeit arbeiten und nur wenige Jahre benötigen, um sich voll Familienpflichten zu widmen. Das aber hat gravierende Auswirkungen auf die Gesellschaft", setzt Gubitzer fort.

Folgende Eckpunkte müssen abgeklärt sein: - Ausreichende Vollarbeitsplätze für Frauen - Neubewertung der Arbeit nach deutlich differenzierten Merkmalen unter Berücksichtigung, dass die Arbeit an und für den Menschen gleichwertig ist der Arbeit an und mit modernen Techniken - ausreichende qualifizierte Betreuungseinrichtungen für Kinder bis zum 14. Lebensjahr, Kranke und ältere Menschen, sowie Menschen mit körperlichen oder geistigen Handicaps. - Schaffung von arbeitsrechtlichen Bestimmungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer

Tatsache ist, dass derzeit Frauen noch immer als "Zuverdienerinnen" in der Arbeitswelt gesehen werden. Weiterbildungsmaßnahmen werden Frauen viel weniger oft ermöglicht als Männern. Karriere wird vorwiegend jenen ermöglicht, die sich ausschließlich dem Beruf widmen. Es gilt vielfach noch die Meinung bei Entscheidungsträgern, dass Männer mit Familie sozial bedürftig sind und beruflich begünstigt werden müssen. Frauen mit Familie sind ohnedies ausgelastet und brauchen nicht auch noch Karriere machen.

Dass Frauen die Möglichkeit zum früheren Pensionsantritt eigentlich nützen müssen, liegt darin begründet, dass sie erst damit der jüngeren Generation die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen, weil sie wie einst in der Großfamilie im Alter wichtige Betreuungsaufgaben für Enkelkinder oder Pflegebedürftige übernehmen.

"Das Ansinnen von Staatssekretärin Haubner, dass kinderlos gebliebene Frauen die günstigere Pensionsantrittsregelung für Frauen nicht mehr weiter nützen dürfen sollen, kommt einer Strafsanktion gleich, die Frauen zum Vorwurf macht, kinderlos geblieben zu sein. Frauen sind keine Geburtsmaschinen. Ihre Daseinsberechtigung kann nicht von der Gebärfreudigkeit abhängig gemacht werden. In Wahrheit leiden viele Frauen unter der Kinderlosigkeit und fühlen sich von dieser Art Aussagen gedemütigt und gemaßregelt", erklärte Gubitzer.

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Christine Gubitzer,
GÖD-Vorsitzenden-Stellvertreterin und
FCG-Bundesfrauenvorsitzende,
Tel.: 0664 / 260 17 50

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