"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Arm und Reich" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 15. Juli 2003

Innsbruck (OTS) - Armenhaus gegen massiv unterstützten Hoffnungsträger. Der Auftakt zur zweithöchsten österreichischen Fußballliga könnte in Tirol nicht gegensätzlicher sein. Der SV Wörgl wird als Abstiegskandidat gehandelt, für den FC Wacker gilt die Parole Durchmarsch in die Bundesliga.
Die Wirklichkeiten im Tiroler Fußball sind unverrückbar, seit jeher konzentrierte sich das Interesse auf (Wacker) Innsbruck. Auch die potenten Sponsoren richteten ihren Fokus darauf, der Rest verkümmert - mehr oder weniger.
Anders gesagt, kann Wörgl nur gewinnen, Wacker lediglich verlieren, obwohl dieser Vergleich hinkt. Schließlich wäre es nicht einmal das Schlechteste, würde Wackers Durchmarsch länger als ein Jahr dauern. Denn der Verein benötigt Zeit, um Profil zu gewinnen, wirklich Fuß zu fassen im Fußball-Oberhaus. Doch Fußball hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun, weshalb Erfolg der eigentliche Gradmesser ist. Stellt er sich rascher ein, soll es uns natürlich auch recht sein. Und Wörgl? Wörgls Perspektive hängt nicht unbedingt davon ab, ob der Verein in der Ersten Liga spielt oder nicht. Vielmehr benötigt es einmal ein deutliches Signal der Unterländer Fußballfans. Ständig vor einer Handvoll Fans zu spielen, schafft keine Identität. Mit Wörgl im Zentrum könnte sich allerdings ein FC Unterland positionieren, doch die Idee scheitert wenige Kilometer weiter westlich in Kundl und östlich vor den Toren Kufsteins. So gesehen ist Fußball nicht einmal rational, nach wie vor an Egoismen orientiert.
Fußball bedeutet außerdem mehr als 36 Runden mit Wacker und Wörgl. Tirol muss ein neues Umfeld aufbauen, endlich die Fußballakademie realisieren. Denn jeder Euro, den man in den Nachwuchs investiert, kommt doppelt zurück. Der FC Tirol verwendete vor den Augen der Politik die Nachwuchsförderung zum Stopfen der Finanzlöcher. Wackers Ankick ist deshalb auch für die Tiroler Sportpolitik eine zweite Chance zum offensiven Hinsehen.

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