"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Lassen wir sie doch in Frieden (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 11.07.2003

Klagenfurt (OTS) - Es wäre einfach zu billig, Jörg Haider ausschließlich politischen Opportunismus nachsagen zu wollen. Die Einladung des Landes an von den Nazis vertriebene Kärntner Juden und ihre Angehörigen kann nicht nur Kalkül sein. Alles würde sich in einem weigern, solches anzunehmen. Wer von der "ordentlichen Beschäftigungspolitik" der Nazis gesprochen und Saddam Hussein die Hand gedrückt hat, sollte trotzdem für nicht gänzlich herzensunfähig gehalten werden, es mit den Opfern des Naziterrors ehrlich zu meinen.

Es ist gut, dass die "Alt-Kärntner" eingeladen worden sind, und es ist gut für uns alle, dass sie gekommen sind. Doch bei aller Untadeligkeit der Worte die versteckten und offenen Versuche einer politischen Instrumentalisierung der Gäste aus Israel waren überflüssig und peinlich. Dass aus der Einladung des Landes eine rein blaue Veranstaltung geworden ist, bei der offenbar Rote und Schwarze nicht willkommen waren, ist natürlich ein parteipolitischer Instrumentalisierungsversuch auf dem Rücken der Gäste.

Und dass gleichzeitig einige Kollegen aus den Medien nicht der Versuchung widerstanden, die Gäste durch gezielte Befragung gegen Haider zu instrumentalisieren, war ebenso überflüssig. Die Opfer von damals sind nicht gekommen, wem immer von uns, nützlich zu sein. Lassen wir sie doch in Frieden.

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