"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Und noch einmal: Die ÖVP zeichnet vor, die FPÖ malt mit" (Von Oliver Pink)

Ausgabe vom 11. Juli 2003

Graz (OTS) - Eines gleich vorweg: Früher war nicht alles besser.
In Zeiten der SPÖ-Hegemonie konnte der Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft Hans Sallmutter locker nebenbei den Präsidenten des Hauptverbandes geben. In den Sozialversicherungen waren atemberaubende Karrieren möglich, die noch heute andauern. So wurde aus dem gelernten Lithographen Franz Bittner der Chef der Wiener Gebietskrankenkasse. Qualifikation:Vorsitzführung einer Teilgewerkschaft (Druck und Papier). Und der Boss der oberösterreichischen GKK, Helmut Oberchristl, flimmert
neuerdings wieder vermehrt in seiner Zweitfunktion als Voest-Betriebsrat über die Bildschirme.

So weit, so schlecht.

Ist jetzt alles besser? Mitnichten. Jahrelang tingelte die FPÖ in Person Jörg Haiders durch die Lande und versprach: Mit uns wird dem Postenschacher der Garaus gemacht. Aber außer einer aberwitzigen Kopfjagd auf Hans Sallmutter, die von Susanne Riess-Passer dilettantisch befehligt wurde, war da nichts. Die ÖVP hat kräftig umgefärbt, die FPÖ war für ein paar Pöstchen mit dabei.

Der Hauptverband, die Dachorganisation der 25 Sozialversicherungen, hat nun vier Geschäftsführer: den schwarzen Josef Kandlhofer, den roten Josef Probst sowie die zwei Neuen - den der Wirtschaftskammer zuzurechnenden Volker Schörghofer und die Ex-FPÖ-Abgeordnete Beate Hartinger.

Die adrette - und zweifellos qualifizierte - Frau Hartinger ist ein Musterbeispiel für die Wasserprediger- und Weintrinker-Fraktion namens FPÖ. Früher wollte sie die Selbstverwaltung lieber heute als morgen abschaffen, nun sitzt sie selbst in der Chefetage. "Kassen müssen bei sich selbst sparen lernen", lasen wir noch am 3. August 2001 in einer Hartinger-Aussendung. Heute brauchen wir vier Hauptverbandsbosse. Wobei hier zur Ehrenrettung der FPÖ zu sagen ist: Es war die ÖVP, die den vierten Posten unbedingt wollte.

Komfortabel auch die schwarz-blaue Mehrheit im Verwaltungsrat: Es steht 9 : 5 gegen die SPÖ. Wahrscheinlich aber nur noch bis Oktober. Denn dann dürfte der Verfassungsgerichtshof die Neukonstruktion des Hauptverbandes wohl in Teilen aufheben.

Was hat das alles jetzt mit den Versicherten zu tun? Herzlich wenig. Hinterzimmermauscheleien sind bestenfalls ein Ärgernis, das vom drohenden Kollaps des Systems ablenkt. Denn eines weiß man auch im Hauptverband: Die Gesundheitsreform steht uns noch bevor. Und die dürfte der heftig umfehdeten Pensionsreform um nichts nachstehen.****

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