"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Keine saubere Sache" (Von Günther Schröder)

Ausgabe vom 11. Juli 2003

Innsbruck (OTS) - Eine Schmutzkübelkampagne sei da gegen ihn im Gang. Persönlich enttäuscht, das ist er auch. Karl-Heinz Grasser versuchte gestern so etwas wie eine Gegenoffensive. Tatsächlich lassen SPÖ und Grüne nichts aus, den beliebtesten Finanzminister aller Zeiten ins Visier zu nehmen. Doch noch nie hat ein Regierungsmitglied der Opposition so viel Munition dafür geliefert. Grasser ist in Schwierigkeiten, und das völlig zu Recht.
Grasser ist sicher ein begabter Mann - doch seine Amtsführung ist vor allem durch Eines gekennzeichnet: Er ist offensichtlich nicht in der Lage, das Amt als Finanzminister der Republik vom begabten Karrieristen "KHG", vom Lobbyisten für die Industrie im allgemeinen und der Magna Frank Stronachs im besonderen und von einem Netzwerk persönlicher Freundschaften unmissverständlich und sauber zu trennen. Dieses Muster zieht sich durch _ von der privaten Homepage über hohe Werbe- und Beratungskosten bis zu seltsamen Spendevorgängen rund um Vorträge des Ministers.
Es ist ja wirklich nicht so, dass Regierungsmitglieder bisher auf diesem Parkett glänzten. Doch bei Grasser ist einfach zu viel zusammengekommen. Allein der große Knall, der große Skandal, der fehlt. Womöglich muss man da aber ein "noch" hinzufügen.
Die Folgen sind zwar schleichend, aber nicht minder verheerend:
Grasser hat sich zunächst einmal politisch gefesselt. Selbst wenn er wollte, er kann nicht mehr das Richtige tun. Stellt sich beispielsweise heraus, dass Magna die beste Wahl für die voestalpine wäre, wofür einiges spricht. Grasser kann sie seinem früheren Chef Stronach jetzt nicht mehr verkaufen.
Und was sollen schlussendlich brave Steuerzahler denken, wenn sie sehen, wie ihr oberster Säckelwart schlawinerhaft und selbstverständlich steuerschonend agiert bzw. agieren lässt? Hier geht wahrscheinlich mehr zu Bruch, als die politische Karriere eines begnadeten Selbstdarstellers.

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