KHG: Im Netzwerk kracht’s

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Peter Muzik

Wien (OTS) - So viel Karl-Heinz Grasser für Berater auch springen hat lassen - wirklich gut beraten war er nicht, auch in Personalfragen nicht. Die lässige Elegance, mit der KHG Vertraute auf wichtige Posten schob, könnte ihm so ähnlich wie die dubiosen Sponsorgelder oder angebliche Honorarzahlungen noch arge Zores bereiten.

Grasser-Intimus Karlheinz Muhr etwa, ein smarter Investmentbanker mit steirischen Wurzeln und Wohnsitz New York, sitzt im Aufsichtsrat von Magna International, wurde vom Minister als AUA-Kontrollor installiert und zerbrach sich gemeinsam mit Lehman Brothers über den optimalen Verkauf von Bundeswohnungen den Kopf. Jetzt hat er sein AUA-Mandat zurückgelegt - offenbar weil er zu sehr ins Gerede gekommen ist.

Der PR-Experte Peter Hochegger geniesst ebenfalls Grassers totales Vertrauen und durfte für das Finanzministerium fette Aufträge abwickeln und die Grasser-Homepage auf die Beine stellen. Jetzt hat er sich bei einem weiteren Geschäft selbst aus dem Spiel genommen -offenbar weil ihm die Sache doch zu heiss geworden ist.

Beim neuen Förderriesen, der Austria Wirtschaftsservice (AWS), wurde wiederum der ehemalige Grasser- und Prinzhorn-Günstling Percival Pachta-Rayhofen als Co-Geschäftsführer installiert. Nach wenigen Monaten trennte man sich allerdings von ihm - offenbar weil er nicht die erhoffte Genialität mitgebracht hat.

Der Vierte im Bunde ist Grassers bisheriger Mitarbeiter Josef Christl, der mit aller Kraft im Vorstand der Oesterreichischen Nationalbank platziert wurde, was heftige Kritik provoziert hat. Jetzt wird es der durchaus qualifizierte Nationalökonom sicher nicht leicht haben - weil man die Polit-Protegés aus der Himmelpfortgasse allesamt sehr genau unter die Lupe nehmen dürfte.

Der Immobilienmakler Ernst Karl Plech, der so etwas wie ein väterlicher Freund Grassers ist, bekommt genau das bereits zu spüren:
Ihn hat der Minister nicht nur in den Aufsichtsrat der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) gesetzt, sondern auch in das Kontrollgremium der zum Verkauf stehenden Buwog. Dass just ein aktiver, sogar ziemlich erfolgreicher Immobilienmakler in einer heiklen Phase - soeben wurde im Parlament der Verkauf von 62.000 Bundeswohnungen genehmigt - ungeniert in solchen Gremien sitzen darf, ist nicht nur pikant, sondern auch unvereinbar. Dass solche Jobbesetzungen immer wieder passieren, spricht jedenfalls nicht gerade für Grassers Fingerspitzengefühl.

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