Integrationsfonds zu EU Richtlinie: "Antidiskriminierungsgesetz jetzt"

WIF präsentiert EU Equal Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb"

Wien (OTS) - Der COUNT DOWN läuft. Nur noch zehn Tage: Dann muss die österreichische Bundesregierung jene Gleichbehandlungsrichtlinie umsetzen, die von der EU im Vertrag von Amsterdam im Jahr 2000 festgelegt wurde und europaweit sicherstellen soll, dass Diskriminierung hinsichtlich der Rasse oder der ethnischen Herkunft rechtlich sanktioniert wird. Eine zweite Antidiskriminierungs-Richtlinie, die die Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf sicherstellen soll, muss bis 2. Dezember diesen Jahres umgesetzt werden. Die österreichische Bundesregierung hat offiziell noch keine konkreten Vorschläge vorgelegt. Das, obwohl seit mehr als zwei Jahren ein umfassender vom Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte erarbeiteter und vom Wiener Integrationsfonds (WIF) mitfinanzierter Entwurf für ein Österreich weites Antidiskriminierungsgesetz vorliegt. Zudem arbeiten der WIF und seine PartnerInnen ebenfalls seit 2001 am EU - Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb" im Rahmen der Equal EntwicklungspartnerInneschaft, das auf die Verwirklichung der EU -Antirassismus - Richtlinie abzielt. Dieses Projekt wurde heute Mittwoch im Rahmen eines Pressegesprächs unter dem Titel "Gleiche Chancen jetzt" präsentiert.

~ Zentrale Forderung des WIF : Österreich braucht ein Antidiskriminierungsgesetz und offenen Dialog mit NGOs, MigrantInnenorganisationen und Wissenschaft ~

Der Wiener Integrationsfonds hat seit vergangenem Jahr eine Gleichstellungs-Website (http://www.wif.wien.at/gleichstellung.htm) eingerichtet, die als Drehscheibe für Informationen und Aktionen dient. Mangels österreichischer Fortschritte findet sich dort vor allem Aktuelles aus anderen europäischen Ländern. Der Wiener Integrationsfonds erneuerte daher beim Pressegespräch am Mittwoch auch seine Forderung nach der Umsetzung eines Österreich weiten Antidiskriminierungsgesetzes. Das nicht Agieren der Bundesregierung in diesem so entscheidenden gesellschafts- und europapolitischen Themenbereich bezeichnete der stellvtr. Geschäftsführer des WIF, Mag. Kemal BOZTEPE als ignorant. Die von der Bundesregierung angekündigte Novellierung des Bundesgleichbehandlungsgesetzes sei bestenfalls als Alibiaktion zu bewerten und mache einmal mehr den mangelhaften Umsetzungswillen des Bundes in Sachen Antidiskriminierung deutlich, so BOZTEPE. Der stellvtr. Geschäftsführer des WIF begründete diese Aussage vor allem damit, das bisher in dieser Frage auf die unverzichtbare Expertise der NGOs, der vielen MigrantInnenorganisationen und auch der Wissenschaft nicht einmal Ansatz weise zurückgegriffen worden sei. BOZTEPE wörtlich: "Das ist eine Last Minute Aktion der Regierung. Ein Vergleich mit dem sogenannten Integrationsvertrag und den Zwangsdeutschkursen liegt nahe. "Husch Pfusch" durchziehen ohne auch nur im mindesten auf die tatsächlichen Bedürfnisse der betroffenen Menschen einzugehen."

Zusammenfassend sind nach Ansicht des WIF folgende zentrale Eckpunkte für ein wirksames Antidiskriminierungsgesetz unerlässlich:

  • Ein klares Bekenntnis zu Gleichstellung und Antidiskriminierung.
  • Einbeziehung von NGOs, insbesondere von MigrantInnen-Vereinen in Richtung einer "Antidiskriminierungskommission" zur Erarbeitung eines umfassenden Maßnahmenkatalogs.
  • Eine unabhängige Stelle zur Diskriminierungsbekämpfung, die ausreichend dotiert ist.
  • Effektive und abschreckende Strafbestimmungen.
  • Vorbildwirkung des Bundes im Kampf gegen Diskriminierung.
  • Öffnung des Bundes für MigrantInnen - Diversitätsmanagement analog zum Vorhaben der Stadt Wien.

Vorbildhaftes EU Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb" - bisher drei Betriebe beteiligt

Der WIF und seiner PartnerInnen engagieren sich aber auch, um Diskriminierung im Berufsleben zu bekämpfen. 2001 wurde im Rahmen des EU-Programms EQUAL eine Entwicklungspartnerschaft initiiert. Das Projekt "Gleiche Chancen im Betrieb" erfolgt in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen ZARA (Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit), EZ (Europäisches Zentrum für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung), IBG (Institut für innerbetriebliche Gesundheitsförderung) und WAFF (Wiener ArbeitnehmerInnenfonds). In diesem Rahmen sollen Maßnahmen zur Bekämpfung rassistischer Benachteiligung von ArbeitnehmerInnen in Muster-Betrieben erarbeitet, erprobt und evaluiert werden.

Bisher konnten folgende drei Betriebe für das Projekt gewonnen werden:

  • BUAK ( Bauarbeiter- Urlaubs- und Abfertigungskasse)
  • Firma Sasse (Reinigungsunternehmen)
  • KWP (Kuratorium Wiener Pensionisten -Wohnhäuser - Haus Hetzendorf)

Die Methode: "Codes of Conduct" - kulturelle Vielfalt bedeutet Mehrwert für Unternehmen

Im Rahmen des Projektes "Gleiche Chancen im Betrieb" sollen für etwa acht Musterbetriebe sogenannte "Codes of Conduct" (Verhaltensregeln) erarbeitet und erprobt werden, um rassistische Diskriminierung zu erkennen, Methoden für ihre Beseitigung zu entwickeln und sie in Zukunft möglichst zu verhindern. Neben dem Schutz der ArbeitnehmerInneninteressen geht es vor allem auch darum, den Betrieben die Vorteile von multi-ethnischem Teammanagement bewusst und vertraut zu machen. Ethnische Vielfalt bringt für die Unternehmen einen entscheidenden Mehrwert, gerade in Zeiten zunehmender Internationalisierung und Globalisierung. Vor dem Hintergrund der EU-Erweiterung können sich Unternehmen mit entsprechendem Know-How auch besser auf die zu erwartende noch stärkere Durchmischung des Arbeitsmarktes vorbereiten. Kulturelle Vielfalt sollte in diesem Sinne als Vorteil und Nutzen für das Unternehmen gesehen werden. Wird der individuelle ethnische Hintergrund erst gar nicht thematisiert kann dies zu gravierenden Folgen für alle Beteiligten führen: Diskriminierung, innere Kündigung, Konflikte, in jedem Fall aber Qualitätsverlust für das gesamte Unternehmen.

Die Projektdauer beträt 18 Monate. Übrigens: aktuelle Informationen zum Equal Projekt ab sofort unter:
http://www.gleiche-chancen.at

gph/schluss

Rückfragen & Kontakt:

Gabriele Philipp
Pressereferentin Wiener Integrationsfonds,
Tel.: (01) 4000/81547
g.philipp@wif.wien.at

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