"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Ein billiger Scherz" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 08.07.2003

Wien (OTS) - Tausende schneeweiße Fahrzeuge der Marke Citroen stehen derzeit in Wien und Oberösterreich auf Halde - nicht bestellt und daher auch nicht abgeholt. Vermeintlicher Hauptauftraggeber: Das Innenministerium.
Zwei Betrüger haben die "Dienstautos" aus unerfindlichen Gründen mit gefälschten Unterschriften hoher Beamter bestellt - und der französische Weltkonzern hat aus ebenso unerfindlichen Gründen nicht nachgefragt, sondern frisch-fröhlich mit der Produktion begonnen. 6000 Autos wurden geordert, rund 3600 bereits geliefert.
Man kann die skurrile Affäre als späte Rache an den Franzosen sehen, die bei den einstigen EU-Sanktionen gegen schwarz-blau eine Vorreiterrolle gespielt haben; man könnte darüber philosophieren, ob Citroen aus der Auftragserteilung für die "Eurofighter" falsche Schlüsse gezogen und geglaubt hat, dass die Regierung auch in Sachen Dienstautos für die Polizei plötzlich die Spendierhosen angezogen hat. Oder man überlegt, warum ein Weltkonzern annimmt, dass in Österreich derartige Großbestellungen ohne Ausschreibung und lautstarkes Hickhack ablaufen.
Am besten ist aber, über den Schildbürgerstreich einfach zu lachen. Einen Vorteil hat die Pseudo-Bestellung im Gegensatz zu echten Aufträgen immerhin: Sie kostet den Steuerzahler keinen Cent.

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