Trotz deutscher Wirtschaftsflaute: Steigerung der österreichischen Exporte

Plus 2,7% bei Ausfuhren im ersten Quartal - Starke Zuwächse vor allem bei Nahrungs- und Genußmitteln sowie Zulieferungen an deutsche Exportindustrie

Wien (OTS) - Trotz der Wirtschaftsflaute in Deutschland stiegen
2002 Österreichs Exporte in unser nördliches Nachbarland um 2,6% auf 24,8 Mrd Euro, unser Marktanteil an den gesamten deutschen Importen konnte von 3,75 auf 4% erhöht werden. Und auch im ersten Quartal 2003 setzte sich der positive Trend fort: Die Exporte legten um 2,7% (Volumen 6,3 Mrd Euro) gegenüber der Vorjahresperiode zu. "Für heuer erwarten wir eine Exportsteigerung von bis zu 3%", sagt Walter Koren, Leiter der Außenwirtschaft Österreich (AWO) der WKÖ. Vor allem bei Ausfuhren von Nahrungs- und Genußmitteln und bei Zulieferungen an die deutsche Exportindustrie sollten gute Steigerungen möglich sein. Koren: "Da die deutschen Gesamtimporte rückläufig sind, unsere Exporte aber weiterhin steigen, ist auch mit einer Zunahme des österreichischen Marktanteils an den deutschen Gesamteinfuhren zu rechnen."

Die schwierige wirtschaftliche Lage Deutschlands trifft natürlich viele Branchen und wirkt sich auch auf österreichische Unternehmen aus. Der verhaltene Konsum sowie fehlende Investitionen sind besonders spürbar. Dennoch konnten sich österreichische Exporteure aus allen Branchen gut auf dem deutschen Markt, in den 32% aller österreichischen Exporte geliefert werden, behaupten. Die Vielschichtigkeit der österreichischen Firmenaktivitäten ist beeindruckend. Die unmittelbar an Österreich angrenzenden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg bieten insbesondere klein-und mittelständischen Unternehmen eine hervorragende Einstiegsmöglichkeit in den Export - hat man es doch mit kurzen Transportwegen, hoher Kaufkraft und ähnlicher Geschäftsmentalität zu tun. Insbesondere für viele Dienstleistungsbetriebe, darunter auch das Bau- und Baunebengewerbe, sind Bayern und Baden-Württemberg in der Zwischenzeit geradezu lebensnotwendige Verkaufsgebiete.

"Da im Dienstleistungsbereich jedoch nach wie vor eine Reihe von bürokratischen und rechtlichen Hindernissen bestehen (Arbeitnehmerentsendegesetz, Abzugssteuer für Bauleistungen), werden Firmen vom Arbeiten über die Grenze abgeschreckt. Durch laufende Publikationen, Vorträge und Einrichtung eines Experten-Teams in den drei WKÖ-Außenhandelsstellen in Berlin, Frankfurt und München wird gerade KMU hier beratend zur Hand gegangen", sagt Walter Pöschl, Handelsdelegierter in Berlin. So gelang es der Außenhandelsstelle München, eine Reihe von Firmen wie z.B. die WIEHAG GmbH, rechtlich so zu beraten, dass sie von der Anwendung des deutschen Arbeitnehmerentsendegesetzes ausgenommen wurden. Weiters wurde in Verhandlungen mit dem bayerischen Finanzministerium, welches in der Frage der deutschen Abzugsteuer für Bauleistungen für Österreich zuständig ist, eine weitgehende Gleichstellung österreichischer Firmen mit deutschen erwirkt.

"Besonders erfolgreich sind die österreichischen Unternehmen der Nahrungs- und Genußmittelindustrie. Im Jahr 2002 wuchsen deren Exporte um 10% und erreichten einen Wert von insgesamt 1,4 Mrd Euro", geht Pöschl ins Detail. Die Steigerungen betreffen die gesamte Nahrungsmittelpalette von Wurst, Schinken, Speck und Fleischzubereitungen über Milchprodukte und Käse hin zu Backwaren und Marmeladen. Getragen werden diese Exporte von allen namhaften österreichischen Erzeugern, von Wiesbauer, Handl und Landhof über NÖM und Tirol Milch, Woerle und Rupp bis zu Manner und Darbo, um nur einige zu nennen. Zuwächse wurden auch im Bereich der nicht-alkoholischen (u.a. Pfanner, Rauch und Red Bull) und alkoholischen Getränke verzeichnet. So gehen allein 63% aller österreichischen Weinexporte nach Deutschland.

In den strukturschwachen östlichen deutschen Bundesländern ist die österreichische Präsenz durch große Investoren geprägt. Zu den Erfolgen der letzen Jahre zählen das Sägewerk des österreichischen Investors Fritz Klausner (St. Johann in Tirol) in Wismar (KNT Klausner Nordic Timber), das mit einem Investitionsvolumen von über 120 Mio Euro mittlerweile das größte europäische Sägewerk außerhalb Skandinaviens ist. Diese Investition führte zur Bildung eines Holzclusters in der Region mit ca. 1000 Arbeitsplätzen, dazu gehört auch ein Spanplattenwerk der Tiroler Firma Egger. Am Rostocker Hafen beabsichtigt das österreichische Liebherr-Werk, Nenzing, den Bau einer Produktionsstätte zur Herstellung von Hafenmobilkränen sowie Schiffskränen. Die Investitionen liegen bei ca. 48 Mio Euro, 220 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Weiters verstärkt die 100%ige Tochtergesellschaft der OMV Aktiengesellschaft, die Agrolinz Melamin GmbH, ihre Marktposition als weltweit zweitgrößter Hersteller von Melamin und errichtet ein Werk in Wittenberg (Investitionsvolumen rund 128 Mio Euro). Zusätzlich verfügt der OMV-Konzern mittels der OMV Deutschland GmbH derzeit über insgesamt 1.300 Tankstellen in Deutschland.

Für die Werbung von neuen Exporteuren hat sich besonders die intensive Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben bei der Anbahnung von Kontakten mit geeigneten Absatzmittlern (Handelsvertretern) bewährt. Zu diesem Zweck finden, von allen drei Außenhandelsstellen in Deutschland organisiert, regelmäßig Handelsvertreter-Meetings statt bzw. wurde eine umfangreiche Handelsvertreter-Datei aufgebaut, die es erlaubt - praktisch auf Knopfdruck - für die meisten Branchen potentiell in Frage kommende Partner zu benennen. In den östlichen Bundesländern ist diese Form der Absatzmittlung neu und dementsprechend ausbaufähig.

Als neuen Service bietet die Außenhandelsstelle München österreichischen Unternehmen die regelmäßige Zusendung von Informationen über aktuelle Bauprojekte im süddeutschen Raum an. Bei bekannten Großprojekten werden Informationsveranstaltungen organisiert, um interessierte österreichische Unternehmen mit diesen Vorhaben vertraut zu machen und gleichzeitig Erstkontakte zu den Projektverantwortlichen herzustellen. Die Außenhandelsstelle Berlin stellt österreichischen Unternehmen periodisch eine bundesweite Auflistung der größeren Bauprojekte in Deutschland zur Verfügung. (BS)

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