"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bush hat den Krieg gewonnen, den Frieden bisher verspielt" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 07.07.2003

Graz (OTS) - Amerika hat den Krieg gegen den Irak sehr gut
geplant und den Frieden sehr schlecht. Das steht inzwischen fest. Offen ist, was aus dieser Lage werden kann.

US-Präsident George Bush verkündert Durchhalteparolen. Damit kommt er bei den abstimmenden Bürgern in den USA vorläufig noch ausreichend gut an. Die Präsidentenwahl 2004 findet erst Anfang November statt. Viele Amerikaner entscheiden sich in den letzten vier Wochen. Für die Wiederwahl kann Bush noch zuwarten. Was heute geschieht, kann im Oktober 2004 ohne Bedeutung sein. Es ist aus inneramerikanischer Wahlsicht wahrscheinlich, dass die Anzahl der lebenden Arbeitslosen in den USA wichtiger sein wird als die Anzahl der toten US-Soldaten im Irak.

Bush und sein Team glaubten, dass sie als Befreier von den Irakern willkommen geheißen würden. Davon stimmte nur, dass die Mehrzahl der Iraker von Saddam Hussein befreit sein wollte. Die Mehrheit wollte aber nicht von "Westlern" besetzt werden.

Bush wollte im Irak eine Demokratie auf arabisch-islamischer Grundlage entwickeln. Sagte er wenigstens. Das ging gründlich daneben. Nach dem Sturz von Saddam erhoben sich die extremen Islamisten im Lande. Diese möchten im Irak eine Republik im Stile des
Iran errichten. In einer demokratischen Abstimmung dürften sie eine knappe Mehrheit dafür erreichen. Als Bush dies erkannte, musste er den Irakern die Selbstregierung gleich einmal verweigern. Für einen zweiten Iran hatte er nicht gekämpft. Damit tat sich das blutigste und auf Dauer gefährlichste Konfliktfeld auf. Selbst die äußerst erfahrenen und ebenso entschlossenen Israelis können die Palästinenser nicht bändigen. Auch im Irak sind die Islamisten kaum zu besiegbar.

Dazu kommen als zweite Gruppe der Rebellion die früheren Anhänger von Saddam Hussein. Weil die Amerikaner ihren Chef nicht und nicht fangen können, wittern die Leute eine Chance. Waffen hat diese Gruppe genug in den Untergrund mitgenommen.

Beide Gruppen finden Helfer und Anhänger bei Irakern, die für die Amerikaner zu gewinnen wären. Saddam hatte genug Gegner, es gibt viele Feinde der Islamisten im Irak. Aber die Besatzer schafften es noch immer nicht, Wasser, elektrischen Strom, Sicherheit auf den Straßen, Arbeitsplätze mit Hoffnung anzubieten. Viele Enttäuschte sind deshalb derzeit bereit, mit den Extremisten zu gehen.

Daheim hat Bush noch viel Zeit für den Irak. Aber im Irak läuft ihm die Zeit davon. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001