Wlodkowski: Agrarreform ist für Steiermark brauchbarer Kompromiss

Milcheinkommen mittelfristig unter Druck - Chance für Mutterkuhhaltung

Wien (AIZ) - "Unsere klare und kritische Haltung gegenüber den Vorschlägen zur EU-Agrarreform war richtig. Es gelang schließlich, die Position der heimischen Landwirtschaft in wichtigen Teilbereichen durchzusetzen und gegenüber den ursprünglichen Vorschlägen wesentliche Verbesserungen bei Milch, Rinder, Getreide sowie nachwachsenden Rohstoffen herbeizuführen", erklärte heute der steirische LK-Präsident Gerhard Wlodkowski in einer Pressekonferenz. "Die Bauern bekommen mit diesem Ergebnis Planungssicherheit bis 2012, müssen sich aber gleichzeitig an den Spielregeln des rauen europäischen Marktes orientieren", betonte Wlodkowski. Nun seien rasch nationale Begleitmaßnahmen umzusetzen. Weiters müsse es mit der Umsetzung der neuen Beschlüsse zu einer Verwaltungsvereinfachung kommen.

Milch: Keine Produktionsverlagerung in Gunstregionen Europas

"Die ursprünglich geplanten Reformvorschläge im Milchbereich konnten massiv entschärft werden. Die Verlängerung der Milchquote bis 2015 ermöglicht eine Weiterbewirtschaftung und Pflege der Bergregionen und benachteiligten Gebiete. Sie verhindert eine Produktionsverlagerung in die Gunstregionen Europas", sagte Wlodkowski. Erfreulich sei auch, dass die zusätzliche Anhebung der Milchquote verhindert und eine Abschwächung der Interventionspreissenkung erreicht wurde. Kompensiert werde diese vorgesehene Senkung allerdings nur zu 80% im Jahr 2007. "Dies bedeutet mittelfristig einen verstärkten Druck auf die Einkommen aus der Milchwirtschaft", gab Wlodkowski zu bedenken.

Er forderte ein spezielles Investitionsprogramm für die Milchviehbetriebe. Von den Molkereien verlangte er, sie sollten durch Produktinnovationen, professionelles Marketing und offensive Marktstrategien sowie strategische Allianzen die in- und ausländischen Märkte sichern. Die Milchwirtschaft macht rund 20% der landwirtschaftlichen Endproduktion in der Steiermark oder rund EUR 130 Mio. aus.

Chance für Mutterkuhhaltung, aber drastischer Rückgang bei Stierhaltung

"Auch bei der Rinderhaltung wurden die ursprünglichen Vorschläge entschärft. Die Totalentkoppelung konnte zu Gunsten einer teilweisen Entkoppelung verhindert werden. Es gelang sogar, die volle Koppelung der Prämien an die Mutterkühe als eine von mehreren Varianten beizubehalten. Für dieses Modell wird sich die steirische Landwirtschaftskammer innerhalb Österreichs stark machen", erklärte Wlodkowski. Zusätzlich werde die österreichische Mutterkuhquote um 50.000 Stück erhöht, was für viele kleinere, extensiv wirtschaftende Milchviehbetriebe in der Steiermark eine interessante Alternative sei.

Allerdings werde eine entkoppelte Prämie bei der Rindermast eingeführt. Dies dürfte ersten Schätzungen zufolge Wachstumsbetriebe an ihrer Weiterentwicklung hindern und zu einem drastischen Rückgang der Stierhaltung in der Steiermark führen. "Nur gezielte Investitionsprogramme können dem entgegenwirken. Zusätzlich ist eine Abfederung der Betriebe, die durch diese Systemumstellung in ihrer Existenz gefährdet sind, aus dem Härtefonds notwendig", verlangte der Kammerpräsident. Auch für die Ochsenhaltung bringe die entkoppelte Rinderprämie Nachteile. Betriebe, die nach 2000 auf Ochsenhaltung umgestellt haben, würden durch die Entkoppelung einen wesentlichen Teil der künftigen Betriebsprämie verlieren. Es sei daher dringend ein regionales Programm zur Weiterführung der kleinstrukturierten, Ochsen haltenden Betriebe erforderlich. Die Rinderhaltung sei das Rückgrat der steirischen Landwirtschaft, sie mache mit EUR 102 Mio. rund 15% der agrarischen Endproduktion aus.

Ackerprämie: Steiermark gegen vollständige Entkoppelung

Bei Getreide werde die geplante 5%ige Senkung der Mindestpreise nicht umgesetzt. Auch der Anbau von Energiepflanzen auf stillgelegten Flächen sei wieder möglich, ebenso die ackerbaulich sinnvolle, rotierende Flächenstilllegung. Dies wäre vor allem für den Anbau nachwachsender Rohstoffe entscheidend. Eine Wahlmöglichkeit gebe es auch zwischen der Totalentkoppelung und teilweisen Entkoppelung von Ackerprämien für Getreide, Mais, Ölsaaten, Eiweißpflanzen, Öllein und Stilllegungsflächen. Hier trete die steirische Interessenvertretung innerhalb Österreichs für keine vollständige Entkoppelung ein, um den Betrieben Perspektiven zu bieten.

Was die Umschichtung der Modulationsmittel betrifft, so forderte Wlodkowski, dass es bei der Erstellung der neuen Programme für die ländliche Entwicklung spürbare Akzente für heimische Betriebe geben müsse. Besondere Schwerpunkte seien in der Investitionsförderung, bei der Härtefallregelung und für strukturschwache und benachteiligte Gebiete zu setzen. Die Grenze für die Prämienkürzung (EUR 5.000,-) werde von rund 85% der steirischen Betriebe unterschritten. Insbesondere Vollerwerbsbetriebe seien aber von der Kürzung betroffen.
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