Gewerbe und Handwerk mit gedämpftem Optimismus für III. Quartal

Jahr der Menschen mit Behinderung: Kündigungsschutz lockern, Dienstverhältnisse mit Arbeitskräfte-Verleihern ausbauen

Wien (PWK444) - "Trotz eines schwierigen Umfeldes im zweiten
Quartal konnten sich die Betriebe aus Gewerbe und Handwerk behaupten und die leicht positive Entwicklung konnte fortgesetzt werden", betonte heute, Mittwoch, der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Leiter der KMU-Forschung Austria, Walter Bornett, und dem Geschäftsführer der Bundessparte, Helmut Heindl. Der "wesentliche Wirtschaftsfaktor" der Sparte liege angesichts des anhaltend stabilen Beschäftigungsstandes auf der Hand. Die Sorge für die kommenden beiden Quartale sei aber, dass sich die Stimmung bei den Unternehmern weiter verschlechtere. Einerseits, so Toifl, dürften der anhaltend starke Preiswettbewerb und die daraus resultierenden Ertragsprobleme und andererseits die unklare politische Situation und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die Stimmung drücken. "Für eine nachhaltige und spürbare Erholung müssen wir die Inlandsnachfrage ankurbeln, insbesondere den privaten Konsum und wir brauchen deutliche Signale aus den Budgets der öffentlichen Hand", betonte Bornett.

Die Sparneigung der Bevölkerung ist darüber hinaus im letzten halben Jahr wesentlich gestiegen. Während das reale BIP bei 205 Mrd. Euro liegt, betragen die Spareinlagen 129 Mrd. Euro. Eine Mrd. Euro an zusätzlichen Ausgaben, so Toifl, würde aber 13.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. "Derzeit ist sowohl unter Unternehmern als auch unter Konsumenten eine Verunsicherung vorhanden, die nicht notwendig wäre. Es werden lediglich Ersatzinvestitionen getroffen. Der Rest wird als Spargroschen gehortet", so Toifl. Für die kommenden beiden Quartale erwartet der Obmann daher ein schwarze Null.

Aktiv ist die Sparte auch im "Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderung". Derzeit beschäftigt jeder 10. Betrieb aus Gewerbe und Handwerk Menschen mit Behinderung, wobei der Anteil der Betriebe, der Arbeitsplätze für Behinderte anbieten, mit steigender Betriebsgröße zunimmt. Trotzdem leisten gerade jene Betriebe, die aufgrund der gesetzlichen Situation nicht dazu verpflichtet wären (weniger als 25 Mitarbeiter), einen überproportional großen Anteil bei der Beschäftigung behinderter Menschen. Um den Anteil von behinderten Arbeitnehmern weiter zu erhöhen, drängt das Gewerbe auf eine Lockerung des erhöhten Kündigungsschutzes. "Für Behinderte kann dieser Kündigungsschutz selbst das größte Hindernis darstellen. Und die Beendigung eines Dienstverhältnisses kann sich im Anlassfall für einen Unternehmer bis zu zwei Jahre hinziehen", so Toifl.

Gleichzeitig schlägt die Sparte vor, Modelle mit Arbeitskräfteüberlassern zu forcieren. Dadurch werde eine enge Zusammenarbeit zwischen Verleihern und Betrieben möglich und Ausbildungskonzepte könnten gemeinsam festgelegt werden. Weitere Forderungen: Für Klein- und Mittelbetriebem unter 25 Mitarbeitern, die freiwillige Behinderte einstellen, sollte ein finanzieller Anreiz - vergleichbar mit der Lehrlingsausbildungsprämie - von 1.000 Euro geschaffen werden. Die Kosten für Arbeitsplatzadaptierungen sollen voll als Betriebsausgabe steuerlich abgesetzt werden können. Außerdem bedarf es einer raschen Umsetzung der integrativen Berufsausbildung für Jugendliche mit Behinderung.

Zu den Zahlen des zweiten Quartals im Detail: In den investitionsgüternahen Branchen ist der durchschnittliche Auftragsbestand - allerdings ausgehend vom tiefen Niveau des Vorjahres - um 6 % gestiegen. Im Baugewerbe ist die Entwicklung bereits das dritte Quartal in Folge positiv und erste Auswirkungen zeigen sich nunmehr auch in einigen baunahen Branchen, wie z. B. bei Sanitär- und Heizungsinstallateuren, Dachdeckern und Zimmermeistern. Hauptverantwortlich dafür war die steigende Nachfrage sowohl privater als auch öffentlicher Auftraggeber. Die konsumnahen Gewerbe-und Handwerksbranchen leiden nach wie vor unter den zurückhaltenden Ausgaben der privaten Haushalte. Lediglich bei den Kfz-Technikern hat sich die Umsatzentwicklung etwas verbessert. Besonders enttäuschend verlief das II. Quartal 2003 für die Fleischer und die Anbieter persönlicher Dienstleistungen.

Für das dritte Quartal hoffen in den investitionsgüternahen Gewerbe-und Handwerksbranchen 19 % der Betriebe auf eine positive Entwicklung. 66 % rechnen mit gleich bleibenden Auftragseingängen; 16 % befürchten Rückgänge. In den konsumnahen Branchen hat der Anteil der Optimisten verglichen mit dem Vorjahr leicht abgenommen (von 21 % auf 19 %), der Anteil der Pessimisten ist geringfügig gestiegen: 18 % der Betriebe (Vorjahr: 17 %) befürchten Umsatzeinbußen im III. Quartal. Stagnierende Umsätze werden von 63 % der Betriebe prognostiziert (Vorjahr: 62 %). (us)

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