Studie von Prof. Otruba zu Nummernportabilität

Nur kundenfreundliche Umsetzung von Mobiler Nummernportabilität bringt volkswirtschaftlichen Wohlfahrtsgewinn

Wien (OTS) - Heinrich Otruba, Professor für Volkswirtschaftslehre an der WU Wien und ab August oberster Koordinator der nationalen Telekom-Regulierer bei der EU in Brüssel, kommt in einer Studie über die gesamtwirtschaftlichen Effekte von Nummernportabilität in Mobilnetzen zu dem Schluß, dass der wesentliche Faktor für den bisherigen Siegeszug von Mobilfunk in Österreich der starke Wettbewerb zwischen den Anbietern war. Otruba: "Diese Erfolgsgeschichte lässt sich nur fortschreiben, wenn in der Regulierung dieser Wettbewerbs-Fokus beibehalten wird. Dafür muss Mobile Nummernportabilität absolut kundenfreundlich implementiert werden".

Otruba konzentriert sich in seiner Untersuchung auf die Beurteilung möglicher MNP-Lösungen aus Kundensicht. Konkret fordert Ortuba, dass der Kunde seine Portierung möglichst einfach, durch einen Auftrag an seinen neuen Betreiber auslösen kann ("One-Stop-Shopping"). Die Umstellung sollte danach möglichst schnell erfolgen - längstens binnen 48 Stunden. Laufende Verträge mit einem anderen Betreiber dürfen dabei kein Hinderungsgrund für den portierwilligen Kunden darstellen. Auch die Guthaben von Prepaidkunden könnten problemlos zwischen den Betreibern abgelöst werden.

Hinsichtlich der Kosten für die Einführung von Mobiler Nummernportierung vertritt Prof. Otruba die Auffassung, dass dem Kunden überhaupt keine direkten Kosten verrechnet werden sollten. Die Investitionen sollten in die Grundgebühr, die laufenden Kosten für Portierungen in die Minutenentgelte hineingerechnet werden. Otruba:
"Ich erwarte, dass die Kosten für MNP für die Kunden weder bei den Grundentgelten, noch bei den Minutenentgelten wirklich spürbar sind. Die absehbaren positive Wohlfahrtseffekte wären daher kaum gefährdet."

Höhere Preise durch Fehlen von Nummernportierung

Derzeit ist ein Betreiberwechsel für den Kunden mit erheblichen Aufwendungen verbunden, welche grundsätzlich in Geld ausgedrückt werden können. Das beginnt bei den Aufwendungen (Mühen) für die Informationssuche über alternative Angebote, geht über die Aufwendungen für die Durchführung des Betreiberwechsels bis zu den Kosten für die Information der Gesprächspartner nach einem Wechsel. Otruba: "Die Information der Gesprächspartner über den Wechsel der Telefonnummer kann gerade bei Geschäftskunden signifikante Kosten verursachen".

Insgesamt geben diese Wechselkosten des Kunden dem bestehenden Betreiber einen Preissetzungsspielraum bis zu eben dieser Höhe. Der bestehende Betreiber kann also einen höheren Preis verlangen, als er ihn unter Wettbewerbsbedingungen verlangen könnte, weil der Kunde erst dann seinen Betreiber wechseln wird, wenn ein anderes Angebot unter Hinzurechnung der Wechselkosten günstiger ist. Das schadet der "gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt". Durch eine geeignete Umsetzung von Mobiler Nummernportierung könnte ein Großteil der Wechselkosten des Kunden vermieden werden. Dadurch würde sich der Wettbewerbspreis an die Grenzkosten der Betreiber annähern. Studienautor Otruba: "Eine wirksamen Umsetzung von Nummernportabilität würde die Preise am Mobilfunkmarkt weiter senken."

Schlechte Portierungslösung verhindert Markteintritt neuer Betreiber

Sollte Mobile Nummernportabilität in Österreich allerdings nicht kundenfreundlich implementiert werden, sodass MNP von den Kunden nicht akzeptiert würde, hätte das für neue Betreiber verheerende Folgen. Laut Otruba könnten die bestehenden Betreiber in diesem Fall durch eine kleine Preissenkung unter den Preis im sogenannten "Nash-Gleichgewicht" auf Dauer die Profitabilität eines neuen Betreibers verhindern, ohne selbst in die Verlustzone zu rutschen. Otruba: "Der neue Betreiber müsste unter Kosten anbieten, weil er nur auf diese Weise neue Kunden gewinnen kann, während die alten Betreiber noch immer gewinnbringende Preise anbieten können. Das führt auf die Dauer zwangsläufig zum Ende der Markteinsteiger und zum Ende des Wettbewerbes."

o. Univ. Prof. Dr. Heinrich Otruba

Heinrich Otruba, Jahrgang 1944, ist seit 1981 als ordentlicher Professor am Institut für Volkswirtschaftslehre und -politik der Wirtschaftsuniversität Wien, Abteilung für quantitative VWL, tätig. Von 1993 bis 1997 bekleidete er die Funktion des Rektors der WU Wien. Zwischen 1997 bis 2002 war er Geschäftsführer der Telekom-Regulierungsbehörde RTR (vormals: TKC). Ab 1. August wird er in Brüssel als Büroleiter der European Regulator´s Group, ERG, (Präsident Jens Arnbac) in leitender Funktion die Umsetzung der fünf neuen Richtlinien zur Telekommunikation bzw. elektronischer Kommunikation (New Regulatory Framework) koordinieren. Die Studie "Nummernportabilität in mobilen elektronischen Kommunikationsnetzen:
gesamtwirtschaftlichen Effekte" entstand mit Unterstützung von Hutchison 3G Austria.

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