"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Am Ende des Tunnels" (Von Markus Schramek)

Ausgabe vom 1. Juli 2003

Innsbruck (OTS) - Die EU wächst um zehn Länder, die allesamt großen Nachholbedarf beim Bau von Verkehrswegen haben; dennoch darf Tirol viel Bares aus Brüssel für den Brennerbasistunnel erwarten. So lautet die aktuelle Botschaft aus der EU-Zentrale.
Eigentlich müsste unser Land dies mit freudigen Aktivitäten der Marke "Hängt die Fahnen hinaus!" würdigen. Doch bei der Verkehrspolitik ist der gelernte Tiroler ein unverbesserlicher Skeptiker. Und das mit Recht.
Neue Tunnels braucht das Tiroler Land. Das ist schon richtig. Es ist eine Illusion zu glauben, dass der internationale Austausch von Gütern jemals einen Bogen um den Brenner machen wird. Doch es ist ein Tiroler Anliegen, Millionen von Gütertonnen von der Straße wegzubekommen. Wer dies noch immer nicht verinnerlicht hat, möge sich auf Recherche ins Unterland begeben. Dort ergeben eine hohe Bevölkerungsdichte und ein nicht nachlassender Verkehrsstrom eine explosive Mischung, die nach Entschärfung schreit. Die einzige Möglichkeit hiefür ist die Bahn.
Der Brennerbasistunnel zwischen Innsbruck und Franzensfeste (Kosten:
4,3 Milliarden Euro) mag Technikerherzen höher schlagen lassen. Mit dem Bau des Mega-Projekts ist es aber nicht getan. Die Verkehrspolitik müsste Anreize schaffen, sich des neuen Tunnels auch zu bedienen. Doch es passiert das Gegenteil.
Durch verschiedene Maßnahmen droht der Transit durch Tirol noch attraktiver zu werden - auf der Straße wohlgemerkt, nicht auf der Bahn. So bereiten das EU-Parlament und, etwas weniger eifrig, der Rat der Verkehrsminister die freie Fahrt über den Brenner vor. Flankierend dazu räumt die EU-Kommission mit Tirols Lkw-Verboten auf. Das sind Fakten. Hoffnungen und Versprechungen sind es dagegen, dass Tirol von der EU zur sensiblen Zone erklärt wird, wo für Lkw-Verkehr besonders strenge Regeln gelten.
Das ist der Stand der Transitdebatte anno 2003. Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels.

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