"Die Presse" - Kommentar: "Das wird Haupt schlecht bekommen" von Hans Werner Scheidl

Ausgabe vom 30.6.2003

Wien (OTS) - Als der FPÖ-Obmann Haupt am Sonntag seine Kampfansage an Jörg Haider beendet hatte, applaudierten ihm die Delegierten zum steirischen Landesparteitag stehend. Das könnte ihnen allen schlecht bekommen.
Denn Auflehnung goutiert das komplizierte einfache Parteimitglied absolut nicht. In einer Schärfe ohnegleichen ist nun der Kampf um die Obmannschaft in der FPÖ zwischen den bisher unzertrennlichen Kampfgefährten ausgebrochen. So unverblümt, so mutig hat noch kein FP-Funktionär je den Kärntner Störenfried in die Schranken gewiesen. Aber was ist für Herbert Haupt damit gewonnen? Auf der Strecke wird letztlich ein weiterer treuer Gefährte bleiben, desillusioniert, verbittert.
Die hochsommerliche blaue Posse ist unerträglich. Jegliche Regierungsarbeit wird gelähmt. Die Regierung dieses Landes wird ferngelenkt von der täglich wechselnden Befindlichkeit des Juniorpartners, dem sie auf Gedeih und Verderben ausgeliefert ist. In einem Jahr wird die Erweiterung der Europäischen Union Realität sein - alle Kräfte dieser Regierung müssten längst darauf ausgerichtet sein, die historische Chance im Sinne der nachfolgenden Generationen zu nützen. Statt dessen muss die Volkspartei ohnmächtig dem skurrilen Treiben des Partners zusehen. So wird, so kann kein großer Wurf gelingen.
Die Hoffnung, Jörg Haider hätte die Ohrfeigen kapiert, die ihm die Wähler verabreichten, war vergebens. Herbert Haupt hat mutig getan, was er vermochte. Er kann - wann immer - hoch erhobenen Hauptes abtreten.

hans-werner.scheidl@diepresse.com

Dem Kampf um die Führung in der FPÖ muss Schüssel ohnmächtig zusehen.

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