Wöchentlicher Finanzmarktkommentar der Volksbank Investmentbank: 30.06. bis 04.07.2003

Wien (OTS) - Der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex hat sich weiter verbessert und die vorsichtigen Erwartungen der Finanzmarktteilnehmer übertroffen. Alle Komponenten des ifo-Index (Geschäftsklima, -lage und -erwartungen) sind gegenüber Mai angestiegen. Das Verbrauchervertrauen hat in der größten europäischen Volkswirtschaft hat sich ebenfalls wieder verbessert, und zwar ebenfalls in allen Komponenten (Konjunkturerwartung, Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung) des entsprechenden GfK-Index. Auch die Aktienmärkte haben sich in der vergangenen Woche zwar nicht euphorisch, aber relativ robust gezeigt.

Während sich die Stimmung in der Wirtschaft sowohl in den USA als auch in Europa gebessert hat, sind die realen historischen Daten nach wie vor ernüchternd. Das Wirtschaftswachstum in den USA lag im ersten Quartal bei 1,4% und musste gegenüber der bisherigen Schätzung um 0,5 Prozentpunkte nach unten revidiert werden. Wichtigste Säule war der private Konsum mit 2% annualisierter Steigerung, während die privaten Investitionen um 5% zurückgegangen sind. Hier spiegelt sich die nach dem Überinvestitionszyklus der 90er Jahre extrem niedrige Kapazitätsauslastung der US-Industrie wider. Dass die schwache Verfassung der US-Wirtschaft auch für das Ausland belastend war, zeigt sich an den Außenwirtschaftsdaten: Während die Exporte um 1,2% zurückgingen, haben sich die Importe in die USA im ersten Quartal 2003 um annualisierte 6,2% abgeschwächt.

Die Einkaufsmanagerindizes für die USA (ISM-Index) und Europa (PMI), die Mitte der kommenden Woche zur Veröffentlichung anstehen, werden weiteren Aufschluss über die Chancen einer wirtschaftlichen Verbesserung bieten. Die Rahmenbedingungen haben sich durch die niedrigen Zinsen und Bonitätsaufschläge zwar weiter verbessert, die niedrige Kapazitätsauslastung in den USA und der trotz Korrekturen hohe Außenwert der Euro wirken auf den jeweiligen Wirtschaftsraum aber dämpfend.

Die Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank war von den Marktteilnehmer erwartet worden, obwohl die Deflationsgefahr aktuell nicht hoch sein dürfte. Die Marktzinsen waren zu Anfang der vergangenen Woche noch von der überzogenen Erwartung einer Senkung um sogar 50 Basispunkte nach unten verzerrt. Die tatsächliche Zinssenkung um 25 Basispunkte auf den 45-Jahres-Tiefsstand von 1% im US-amerikanischen Leitzins führte zu einer Korrektur und an den Märkten per saldo zu einer Aufwärtsentwicklung bei den Dollargeldmarktzinsen sowie den Renditen für Dollar- und Euro-Staatsanleihen. Die Zinsdifferenz zwischen Dollar und Euro hat sich wieder etwas zu Ungunsten des Euro verschoben. Dies erklärt in Verbindung mit den aufgehellten US-Konjunkturaussichten, die Dollarerholung der abgelaufenenen Woche.

Auf dem Geldmarkt beträgt die Zinsdifferenz zwischen Euro und Dollar heute rund 100 Basispunkte, bei den zehnjährigen Anleihen hat sie sich bei etwa 30 Basispunkten eingependelt. Dieses Gefälle schließt eine deutliche Fortsetzung der Dollarerholung nahezu aus, obwohl der Einkaufsmanagerindex kommende Woche für die USA bessere konjunkturelle Perspektiven zeigen dürfte als für die Europäische Währungunion.

Nachdem seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen seit dem Ende des Irakkrieges wieder in den Hintergrund getreten ist, ist der Schweizer Franken in einen Abwärtstrend gegenüber dem Dollar und dem Euro eingeschwenkt. Sowohl die kurz- als auch die langfristigen Zinsen liegen in der Schweiz noch deutlich tiefer als in den USA, sodass bei diesem Trend zwar eine allmähliche Abschwächung, aber keine Umkehr zu erwarten ist.

Für die Zinslandschaft sind in der kommenden Woche keine deutlichen Impulse zu erwarten. Nach dem leichten Anstieg der Kapitalmarktrenditen im Gefolge der US-Zinssenkung und der leicht verbesserten Konjunkturaussichten werden die längerfristigen Renditen in der kommenden Woche kaum weiter zulegen. Auch die Geldmarktzinsen werden selbst bei verbesserten Einkaufsmanagerindizes ihre Rekordtiefstände kaum verlassen. Vielmehr ist bei den kurzfristigen Euro-Zinsen sogar mit einer weiteren Verringerung bis in den Frühherbst hinein zu rechnen.

Auf den internationalen Aktienmärkten hat die Berichtssaison noch nicht begonnen. Die kommende Woche wird von den gesamtwirtschaftlichen Daten dominiert werden, wobei eine insgesamt verhalten freundliche Stimmung zu erwarten ist. Anders in Wien, wo derzeit mehrere Aktien im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und die Privatisierungspläne für Telekom Austria und VA Stahl Gestalt annehmen. Gleichzeitig geht hier der größte europäische IPO in seine zweite Woche. Die Übernahmegerüchte und die internationale Aufmerksamkeit für den Börsegang der Bank Austria bringen dem ATX überdurchschnittliche Beachtung durch die Anleger und versprechen auch in der kommenden Woche noch Aufwärtspotenzial.

Hinweis:
In der nächsten Woche veröffentlicht die VBIB ihre neuesten Quartalsprognosen zu Zinsen, Währungen und Aktien. Sie sind ab Mitte der Woche unter www.vbib.at im Internet abrufbar.

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