Krank und gesund durch RNA

Wien (OTS) - Falsch gebildete RNA Moleküle können Krankheiten wie Nervenerkrankungen und Krebs auslösen. Richtig eingesetzte RNAs haben Chancen als neue Therapeutika. Beispiele dafür werden auf dem 8. internationalen RNA-Kongess in Wien vorgestellt.

Noch bis vor kurzem war RNA wenig beachtet - Forschungsgegenstand von einigen wenigen Wissenschaftern. Mit den preisgekrönten RNA-Forscherinnen Renée Schroeder und Andrea Barta ist Österreich im internationalen Spitzenfeld vertreten. Die beiden sind auch Hauptorganisatorinnen des 8. internationalen RNA-Kongresses, der von 1. bis 5. Juli 2003 im Kongresszentrum "Reed Messe Wien" stattfindet, zu dem über 1000 WissenschaftlerInnen aus aller Welt erwartet werden.

Prof. Barta arbeitet unter anderem an Alternativem Spleißen in Pflanzen. Dabei werden die zahlreichen kodierenden Bereiche eines Gens unterschiedlich miteinander verknüpft. Wie in einem Baukastensystem können zum Beispiel aus den rund 30.000 menschlichen Genen eine riesige Anzahl unterschiedlicher Proteine produziert werden können. So werden aus einem einzigen Gen im Innenohr 576 verschiedene Proteine gebildet.

Immer mehr Krankheiten des Menschen, wie z.B. Zystische Fibrose oder Muskeldystrophien, lassen sich auf fehlerhaftes Alternatives Spleißen zurückführen. In diesem Fall werden die kodierenden Bereiche der RNA falsch miteinander kombiniert, sodass die produzierten Proteine ihre Funktionen nicht mehr ausüben können und so Erkrankungen auslösen.

Nervenerkrankung durch falsches Spleißen

In Nervenzellen liegt das Protein Tau durch Alternatives Spleißen in sechs verschiedenen Formen vor. Entscheidend für das Überleben der Zellen ist ein genaues Mengenverhältnis der unterschiedlichen Formen. Wenn durch Fehler im Alternativen Spleißen von nur einer der Formen zu viel oder zu wenig gemacht wird, können Nervenzellen absterben. Stirbt eine einzelne Zelle, so ist das kein großes Problem. Ist der Fehler jedoch vererbt, so kann die Folge z.B. eine Störung im Gehirn sein, die zum Tod im mittleren Lebensalter führt (dominant vererbte frontal-temporale Demenz mit Parkinsonismus gekoppelt mit Chromosom 17). Diese Ergebnisse stellt Ian D´Souza auf dem RNA-Kongress vor. Tau Abnormitäten sind auch charakteristisch für die Alzheimer Erkrankung.

RNA als Therapeutikum

RNA Aptamere sind RNA Moleküle mit ähnlichen Eigenschaften wie Antikörper, die spezifisch an bestimmte Strukturen oder Moleküle binden können. Sie zeigen viel versprechende Wirkungen z.B. in der Krebstherapie. Die italienisch-französische Kooperation von Domenico Libri und Vittorio de Franciscis entwickelte RNA Aptamere, die spezifisch zwischen Tumorzellen und gesunden Körperzellen unterscheiden können. Sie konnten damit zeigen, dass es möglich ist, Nukleinsäuremoleküle als diagnostische oder therapeutische Werkzeuge einzusetzen.

RNA kann die Ursache für verschiedenste Erkrankungen sein, sie bietet aber auch die Möglichkeit als Therapeutikum dagegen eingesetzt zu werden. Denn je mehr über die Vorgänge und Mechanismen bekannt ist, die zu solchen Erkrankungen führen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, neue Behandlungsmethoden und Therapien zu entwickeln. Die RNA stellt eine neue Dimension des menschlichen Genoms dar.

Links:

RNA 2003 Kongress in Wien: http://www.rna2003.com/

Andrea Barta Labor: http://www.at.embnet.org/bch/barta.htm

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