Prets zur Antidiskriminierungsrichtlinie: Sturmlauf der Versicherungen ist überzogen und unsachlich

Wien (SK) "Der Sturmlauf der österreichischen Versicherungsgesellschaften gegen die von der Kommission vorgeschlagene Richtlinie zur 'Antidiskriminierung außerhalb des Arbeitsplatzes' ist nicht nur durch wirtschaftliche Sorgen motiviert, sondern auch ein Indikator für versteckte Diskriminierung." Christa Prets, SPÖ-Europaabgeordnete und EP-Berichterstatterin zu dieser Richtlinie, äußert sich kritisch zu den jetzt vorgebrachten Argumenten gegen das Papier der EU-Kommissarin Diamontopoulou. ****

Eine der Hauptforderungen des jetzt vorliegenden Kommissions-Entwurfs ist die Abschaffung von unterschiedlich hohen Versicherungsprämien für Männer und Frauen.

Die Versicherungsgesellschaften konzentrieren sich in ihrer Argumentation gegen diese Forderung vor allem auf zwei Kernpunkte:
Die statistisch längere Lebensdauer von Frauen sowie eine mögliche Schwangerschaft. Diese beiden versicherungstechnischen "Risikofaktoren" dienen der Wirtschaft als Rechtfertigung für höhere Prämienforderungen an Frauen.

Christa Prets dazu: "Wenn sich die Versicherungswirtschaft auf sogenannte 'Naturgesetze' beruft, dann wird sie es in Zukunft schwerer haben: Die Lebenserwartung von Frauen und Männer nähert sich immer mehr an. In den nächsten 30 Jahren ist sogar von einer Angleichung der Lebenserwartung auszugehen, was somit auch Männer zu einem 'Risikofaktor' für Versicherungen machen würde. Die Ungleichbehandlung bei der Prämiengestaltung wird auch durch die Tatsache widerlegt, das schon jetzt 86 Prozent der Frauen und Männer statistisch gesehen gleich alt werden."

Eine Versicherungsprämie auf die Indikatoren Alter und Geschlecht zu reduzieren, ohne dabei andere Aspekte zu berücksichtigen, sei daher nicht objektiv und im Zeitalter rasanter demographischer Veränderungen auch nicht haltbar, sagte Prets. "Eine neutrale Berechnung von Versicherungsprämien kann nicht auf alten und überholten Statistiken beruhen und rechtfertigt nicht, dass die Höhe der Prämien teilweise bis zu 90 Prozent auseinander klafft", betont Prets.

Auch die Tatsache, dass Schwangerschaft im Versicherungsjargon als 'Risiko' bezeichnet wird, so Prets weiter, sei an sich schon eine Diskriminierung. "Mit den höheren Beiträgen in privaten Zusatzkrankenversicherungen werden Frauen dafür bestraft, dass sie Kinder zur Welt bringen. Stattdessen sollten sie dafür eher Geld bekommen. Außerdem würden alle Frauen in einen Topf geworfen - auch jene die zum Beispiel nie Kinder bekommen können, trotzdem mehr einbezahlen und weniger herausbekommen." (Schluss) wf/mp

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0015