Baustelle Schwarzenbergplatz: Bauarbeiterhatz ist fehl am Platz!

GBH: Bauarbeiter arbeiten jetzt schon bis an ihre Grenzen

Wien (GBH/ÖGB). Ärger über die Berichterstattung von Radio Wien über die Baustelle am Schwarzenbergplatz herrscht unter den dort beschäftigten Bauarbeitern. Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und ÖGB-Vizepräsident, Johann Driemer, bestätigt: "Die Bauarbeiter am Schwarzenbergplatz arbeiten, wie die meisten ihrer Kollegen, gerade im Sommer an den Grenzen der Möglichkeiten, die das Arbeitszeitgesetz zulässt, und auch an ihren eigenen physischen Grenzen." ++++

Wie so oft bei großen Baustellen ging es in der Berichterstattung darum, dass am vergangenen Freitag, einem "Fenstertag" auf der Baustelle nicht gearbeitet wurde. Driemer: "Das ergibt sich aus Arbeitszeitvereinbarungen und aus bautechnischen Notwendigkeiten. Die Bauarbeiter am Schwarzenbergplatz arbeiten zehn Stunden und mehr am Tag. Irgendwann haben auch sie sich Erholungsphasen verdient. Aus Kostengründen gibt es keine vier- oder fünffache Besetzung, die sich in der Arbeit abwechselt. Wir als Gewerkschaft würden es im Sinne der Bauarbeiter begrüßen, wenn mehr Bauarbeiter beschäftigt werden und es mehr terminlichen Spielraum gibt. Ich lade jeden Kritiker ein, einmal einen Tag bei Straßenbauarbeiten zu verbringen - womöglich noch neben fließendem Verkehr - und dort Oberflächentemperaturen von 70 Grad Celsius, bei Asphaltierarbeiten von bis zu 120 Grad Celsius, zu ertragen, gleichzeitig mit Lärm, Staub, Stress und oftmals sogar Beschimpfungen durch Autofahrer ausgesetzt zu sein. Sie würden dann nicht nur erkennen, dass Bauarbeiter sein ein extrem schwerer Beruf ist, Sie würden auch erkennen, dass gewisse Bauabläufe, wie z.B. Betonier-arbeiten, nicht erlauben, durchgehend tätig zu sein. Es gilt hier Aushärtungsszeiten oder Setzungszeiten etc. abzuwarten. Es kann aber auch sein, dass ein neuer Bauabschnitt in Angriff genommen wird und das nicht am letzten Tag vor einem Wochenende möglich ist. Denn auch Baumaterialien sind nicht zu jeder Zeit zu bekommen."

Driemer abschließend: "Ich appelliere an all jene, die ohne Kenntnis der praktischen Situation jeden Sommer wieder die Bauarbeiter gerade an Straßenbaustellen so gerne kritisieren, sich doch die Tatsachen vor Augen zu halten. Die Bauarbeiter arbeiten unter unglaublichem Druck, um die Verkehrsbehinderungen so kurz wie möglich zu halten. Bestes Beispiel ist die Baustelle auf der A2 bei Wiener Neudorf. Hier ist man mit den Arbeiten deutlich vor dem Zeitplan, ebenso auf der Baustelle Schwarzenbergplatz. Und dies ganz sicher nicht, weil etwa der Zeitplan so großzügig bemessen wäre - im Gegenteil. Die Bauarbeiter leisten unter widrigsten Bedingungen großartige Arbeit. Auch die Kritiker werden vielleicht des öfteren einen "Fenstertag" zu Hause genießen. Die Bauarbeiter haben es sich jedenfalls auch verdient."

ÖGB, 25. Juni 2003
Nr. 542

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