Zur Causa Michel Friedman

Geschichte einer Vorverurteilung

Wien (OTS) - Der Vorstand der IKG-Wien hat sich aus gegebenem
Anlass bei seiner Plenarsitzung vom 24.6.03 mit der sog. "Affäre Friedman" befasst und folgende Stellungnahme beschlossen:

1.Die IKG kommentiert die gegen Michel Friedman gerichteten Anschuldigungen nicht, zumal das Untersuchungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, der Beschuldigte sich noch nicht geäußert hat und alles, was im Raum steht, zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinerlei Beweis-, sondern höchstens Gerüchtewert hat.

2.Allerdings sind einige Umstände zu augenfällig, um unerwähnt zu bleiben:

- Die Kontroverse Möllemann-Friedmann wurde medial behandelt, als wären nur diese zwei Personen die Kontrahenten. Völlig unkommentiert blieb die Tatsache, daß eine große Geldsumme arabisch-islamistischer und außereuropäischer Provenienz nach Deutschland geflossen ist, mit dem offensichtlichen Ziel, den lokalen Antisemitismus zu schüren und die Bürgerrechte der deutschen Juden nachhaltig zu schädigen. Dass die deutsche Bevölkerung nicht in diese Falle gegangen ist, gereicht ihr zur Ehre. Der maßgebliche Beitrag, den Michel Friedman bei der Abwehr dieses Angriffs geleistet hat, war beachtlich und hat ihn umso mehr zu einem Symbol und zu einem vorrangigen Angriffsziel von Rassisten inner- und außerhalb Deutschlands gemacht.

- Vor diesem Hintergrund lässt der Zeitpunkt, der sogenannten "Affäre Friedman" einen Zusammenhang zur vorherigen Möllemann-Kontroverse, aber auch zu dessen Unterstützern vermuten.
Auffällig ist weiters die Eile der zuständigen Behörden, die Bürgerrechte des Verdächtigten zu verletzen und die sogenannte "Affäre" zu einem Zeitpunkt in die Öffentlichkeit hinauszuposaunen, als höchstens eine Verdachts-, mit Sicherheit aber keine Beweislage bestanden hat. Die nicht unwichtige Frage "Cui bono?" (Wem nützt es?) ist bis heute nicht gestellt worden.

3.Aus den angeführten und aus mitmenschlichen Gründen erklärt die IKG Michel Friedmann ihr Mitgefühl und drückt ihm für seine jahrzehntelangen Leistungen um die Demokratie, um das europäische und nicht zuletzt um das österreichische Judentum ihren tiefempfundenen Dank aus und wird ihm ihre brüderliche Solidarität nicht versagen.

Dr. Ariel Muzicant
Präsident
Israelitische Kultusgemeinde Wien

Wien, am 25.6.2003

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