Die Front der Neinsager

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Peter Muzik

Wien (OTS) - Das Resultat der jüngsten Eurobarometer-Umfrage, die wieder einmal das EU-weite Meinungsklima auslotet, ist im Grunde genommen niederschmetternd: Die rund 1000 befragten Österreicher sind nämlich deutlich auf Distanz zur Europäischen Union gegangen. Auch wenn derartige Analysen nicht der Weisheit letzter Schluss sein mögen, bietet sich ein alarmierendes Bild:

Nur noch 34 statt zuletzt 46 Prozent halten die EU-Mitgliedschaft für "eine gute Sache". Einzig und allein in Grossbritannien ist die Zustimmung geringer (30 Prozent).

Lediglich 41 Prozent der Befragten glauben, dass die Union der Republik Vorteile bringt - beim letzten Mal waren es immerhin noch 48 Prozent. Ein noch schlechteres Ergebnis gab’s in Schweden und England.

Bloss 43 Prozent der Österreicher sprechen sich zurzeit für die Erweiterung aus (51 Prozent waren es im Vorjahr). Schwacher Trost: In vier Staaten - Frankreich, Belgien, Grossbritannien und Deutschland -ist die Begeisterung noch geringer.

Die Skeptiker, Neinsager und Querulanten sind also überraschenderweise im Vormarsch - und zwar so stark wie in keinem anderen EU-Staat: 19 Prozent stufen den Beitritt Österreichs als "schlecht" ein (und 41 Prozent beurteilen ihn indifferent). 43 Prozent vertreten die Auffassung, dass die Mitgliedschaft dem Land nichts bringe. Bereits 44 Prozent der Bürger lehnen schliesslich die Erweiterung 2004 eiskalt ab.

Damit sind wir bei der zentralen Fragestellung: Warum begreifen so viele Landsleute noch nicht - oder immer weniger -, dass dieses Land und seine Wirtschaft schon bislang von der Union enorm profitiert hat? (Stichwort: Exporterfolge); und wieso ignorieren so viele die Tatsache, dass Österreich in Zukunft ohne erweiterte EU zweifellos aufgeschmissen wäre?

Das alles hat nur relativ wenig mit Haider & Co. oder der unglücklichen Strategie gegenüber Brüssel (Stichwort: Ökopunkte) und den Beitrittsländern (Stichwort: Temelin) zu tun - sehr viel mehr jedoch mit der mangelhaften bis unzureichenden Information über die Union und ihre Zukunft.

Der durchschnittliche Wissensstand der Österreicher, etwa über den Konvent, eine gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik oder die EU-Institutionen, ist äusserst gering, auch wenn sich manche Medien noch so anstrengen. Fazit: Ohne eine gross angelegte Infokampagne (der Regierung?), die rasch kommen müsste, kann sich das Meinungsklima nicht bessern - und viele werden notgedrungen die grosse Zukunftschance namens Europa verschlafen.

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