Wöchentlicher Finanzmarktkommentar der Volksbank Investmentbank: 23.06. bis 27.06.2003

Wien (OTS) - Sowohl in den USA als auch in der Eurozone haben sich die in der vergangenen Woche veröffentlichten Wirtschaftsdaten verbessert und zum Teil sogar die Markterwartungen übertroffen. In den USA sind die Konjunkturindikatoren der New Yorker und Philadelphia Fed für Juni deutlich gestiegen. Auch beim Frühindikator und der Industrieproduktion für Mai gab es im Vergleich zum Vormonat eine Verbesserung. Eine weitere Verschlechterung verzeichnete das US-Leistungsbilanz-defizit, das im ersten Quartal 2003 auf einen Rekordwert von USD 136,1 Mrd stieg. In der Eurozone verzeichnete sowohl die Euroland-Industrieproduktion für April als auch der deutsche ZEW Geschäftsklimaindex für Juni Verbesserungen gegenüber dem Vormonat.

Auch in der letzten Woche hielten die Spekulationen über eine mögliche US-Leitzinssenkung am 25. Juni an. Die meisten Marktteilnehmer gehen derzeit von einer Zinssenkung aus. Die Konsensschätzung liegt bei einer Senkung um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent. Wir erwarten jedoch keine US-Leitzinssenkung zu diesem Zeitpunkt. Für eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinssatzes sprechen einerseits die US-Wirtschaftsdaten, die sich in den letzten Wochen nicht verschlechtert haben, und andererseits der jüngste Anstieg der Kerninflationsrate (ohne Nahrungsmittel und Energie), die im Mai auf 1,6 Prozent (April: 1,5%) stieg, wodurch Deflationssorgen gedämpft wurden. Eine Beibehaltung der aktuell bereits sehr tiefen Leitzinsen würde der US-Notenbank in Zukunft auch mehr Spielraum geben, falls sich die Konjunktur weiter abschwächt.

Wie die Märkte auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank reagieren werden, wird vor allem vom Begleitkommentar des Notenbankchefs abhängen. Unveränderte Leitzinsen müssen nicht zu einer Enttäuschung führen, wenn als Grund geringe Risiken einer Deflation und eine robuste US-Konjunktur angeführt werden. Eine deutliche Zinssenkung um 50 Basispunkte würde die Märkte stimulieren sofern ein solcher Zinsschritt von der US-Notenbank nicht mit Deflationsrisiken begründet wird.

Die Aktienmärkte tendierten in der vergangenen Woche seitwärts. Mit den deutlichen Anstiegen der letzten Monate steigt zwar die Gefahr einer zwischenzeitlichen Korrektur. In den vergangenen Wochen hat sich jedoch immer wieder gezeigt, dass die Verkaufsbereitschaft bei den Marktteilnehmern eher gering ist. Dadurch dauerten Kursrückgänge maximal einige Tage. Eine deutliche Korrektur kann erst dann entstehen, wenn sich bei einer bedeutenden Anzahl von Marktteilnehmern die Meinung durchsetzt, dass sie nach einem Verkauf später wieder zu einem wesentlich günstigeren Kurs einsteigen können. Derzeit überwiegt jedoch die Einstellung, dass dies nicht möglich ist. Die bestehenden Marktteilnehmer bleiben deshalb im Markt und weitere Investoren werden durch die deutlichen Kursanstiege der vergangenen Monate angelockt. Erst eine größere Zahl von schlechten Wirtschaftsdaten oder Unternehmensmeldungen würde die Bereitschaft steigern, Gewinne mitzunehmen. Wir erwarten jedoch nicht, das dies in den nächsten Wochen in einem deutlichen Ausmaß eintritt, womit die freundliche Tendenz an den Aktienmärkten anhalten sollte.

Der US-Dollar konnte in der letzten Woche mit den verbesserten Wirtschaftsdaten und der gesunkenen Erwartung einer US-Zinssenkung um 50 Basispunkte gegenüber dem Euro zulegen. In dieser Woche erwarten wir eine Seitwärtsentwicklung des Währungspaars.

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