Landau: Im Flüchtling den Menschen und nicht den Störfaktor sehen

Straßenfest zum Weltflüchtlingstag in Wien 7

Wien (OTS) - "Menschen mit ihrer Geschichte, mit ihren Talenten,
mit ihren Hoffnungen ernst nehmen, das muss auch Teil der Begegnung mit Flüchtlingen sein und dem soll auch mit einem Fest Rechnung getragen werden", so der Wiener Caritasdirektor Michael Landau. Deshalb lädt das neue Flüchtlingshaus der Caritas in der Bernardgasse in Wien 7 anlässlich des Weltflüchtlingstages heute zum Straßenfest. In der Zeit von 14 bis 17 Uhr gibt es Programm zwischen Schottenfeldgasse und Kaiserstraße. Details auf
http://www.caritas-wien.at/4028_4057.htm. Musik und Theater,
Kinderprogramm und Kletterwand, Soul und Tanz und natürlich gutes Essen - beim Straßenfest in der Bernardgasse in Wien 7 ist heute Vielfalt angesagt.

Appell an Innenminister zum Gespräch zurückzukehren

"Angesichts der schwierigen aktuellen Diskussionen um die Änderungen im Asylrecht muss vielleicht noch stärker deutlich gemacht werden, dass die gedruckten Buchstaben im Gesetz reale Auswirkungen auf Menschen haben, darunter nicht wenige Kinder und, dass es dabei oft genug um Leben und Tod gehen kann", so Landau. "In den Diskussionen der vergangenen Wochen habe ich nicht selten den Eindruck gehabt, dass es die große Versuchung gibt, im Flüchtling nicht den Menschen, sondern den Störfaktor zu sehen."

Er hoffe, so der Wiener Caritasdirektor, dass "der Herr Innenminister endlich die vielen und gravierenden Bedenken gegenüber seinen Vorschlägen ernst nimmt und zum Gespräch zurückkehrt. Wir brauchen kein Gesetz, das durchgepeitscht wird, sondern eine Entschleunigung der Debatte!" so Landau.

Kritik von NGOs und UNHCR ernst nehmen

Es stünde einer gewissenhaften Regierungspartei wie der ÖVP schlecht an, detaillierte Kritikpunkte an Gesetzentwürfen einfach vom Tisch zu wischen, spielte Landau an die gestrigen VP- Reaktionen auf den 20 Seiten umfassenden Kritikkatalog des Flüchtlingshochkommissariates an. Nicht der Innenminister, sondern der Sicherheitssprecher, Abg z. NR Matthias Ellmauer, hatte in einer knappen Aussendung versucht, die Vorwürfe zu entkräften.

"Gespräch sollte endlich möglich sein und differenzierte Auseinandersetzung - die NGOs und UNHCR haben bewiesen, dass sie dazu bereit sind. Es stünde den verantwortlichen PolitikerInnen gut an, dieser Bereitschaft Rechnung zu tragen", so Landau.
Ein erster Schritt könnte zB. auch die direkte Begegnung mit Flüchtlingen sein. Das Straßenfest in der Bernardgasse wäre dazu eine erste Möglichkeit.

Das neue Caritas - Haus Bernardgasse

Neben den vier Flüchtlingshäusern der Caritas der Erzdiözese Wien mit rund 600 Plätzen, die wesentlich über Spendengelder finanziert werden, nimmt das Haus in Wien Neubau mit insgesamt 136 Plätzen eine Sonderstellung ein.
Denn das Caritashaus Bernardgasse ist eine Bundesbetreuungseinrichtung. Das bedeutet, dass die Unterbringung und Versorgung der HausbewohnerInnen während des laufenden Asylverfahrens direkt vom Staat finanziert werden. Die Zuweisung erfolgt über die Bundesbetreuungsstelle des Bundesministeriums für Inneres.
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in der sozialen Betreuung der Frauen, Männer und Kinder - von der Begleitung zu einem Arztbesuch bis zur Einschulung der Kinder.
Das Haus Bernardgasse bietet 76 Plätze für Flüchtlinge in Bundesbetreuung und wurde Ende 2002 in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wien eingerichtet.
Zusätzlich werden im Rahmen des Projekts für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge 30 Jugendliche betreut.
Organisatorisch angeschlossen an das Caritashaus in der Bernardgasse ist ein Familienquartier in der Lassallestraße mit 30 Plätzen. Insgesamt wurden also 136 Bundesbetreuungsplätze neu geschaffen.

Das Warten überbrücken

Die HeimbewohnerInnen werden meist direkt von der Grenze ins Haus gebracht. Sie wissen in der Regel nichts über Österreich, haben keine Orientierung, sprechen kein Deutsch. In vielen Fällen wird es Monate dauern, bis sie zum ersten Interviewtermin vorgeladen werden.
Diese Zeit wird versucht konstruktiv zu überbrücken. AsylwerberInnen sollen mehr können und dürfen, als nur die Zeit ihres Asylverfahrens untätig abzusitzen. Insbesondere sollen AsylwerberInnen lernen, eigenständig und eigenverantwortlich in Österreich zu leben, sowie ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen. Deshalb bietet die Caritas in diesem Haus:
Soziale Beratung für Einzelpersonen und Familien, Vorbereitung und Betreuung der Kinder im schulischen Alltag, Deutschkurse im Haus und außerhalb, Begleitung bei Behördenwegen, Vermittlung zu Rechtsbeistand und Vermittlung zu psychotherapeutischer Hilfestellung.
Die MitarbeiterInnen sprechen die Fremdsprachen der wichtigsten Herkunftsländer.

Rückfragen & Kontakt:

Peter Wesely
Pressesprecher der Caritas der Erzdiözese Wien,
0664/1838140, 01/87812/221, p.wesely@caritas-wien.at

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