Bundesarbeitskammer (3): Hauptversammlung verlangt mehr Auffangnetz-Plätze für Jugendliche

Regierung plant nichts gegen Jugendarbeitslosigkeit, will Ausbildung und Berufsschancen verschlechtern

Dornbirn (AK) - Die Regierung muss das Auffangnetz zur Jugendausbildung noch im laufenden Jahr aufstocken, fordert die Hauptversammlung der Bundesarbeitskammer als dringendste Maßnahme gegen den Lehrstellenmangel. Sie verlangt weiters wieder Ausbildungen im Auffangnetz, die bis zum Lehrabschluss führen. Im Regierungsprogramm finde sich schlicht und einfach nichts, wie die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden soll, kritisiert die Hauptversammlung. Im Gegenteil: Sie befürchtet schlechtere Ausbildung und damit weniger Chancen der Jugendlichen auf gute Berufsausbildung, wenn die Regierung ihre Pläne zur "Modularisierung" der Ausbildung laut Regierungsprogramm umsetzt.

"Keine Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und zur Schaffung von Lehrplätzen": So lautet, knapp gefasst, die Hauptkritik der Hauptversammlung der Bundesarbeitskasmmer am Regierungsprogramm in puncto Jugendausbildung. Sie fordert die Aufstockung der Plätze im Auffangnetz zur Jugendausbildung noch im laufenden Ausbildungsjahr und die Wiedereinführung der einen regulären Abschluß sichernden Lehrlingsstiftungen. Außerdem müssen besondere selbstständige Ausbildungseinrichtungen bewilligt werden, in denen Jugendliche in zukunftsorientierten Berufen wie EDV-Technik oder Medientechnik eine Ausbildung bis zum Lehrabschluss machen können. Unternehmen, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen diese Ausbildungseinrichtungen mitfinanzieren. Für die Förderung von Lehrverhältnissen in zukunftsorientierten Lehrberufen muss es Kriterien geben. Die unlängst beschlossene Lehrausbildungsprämie soll nicht mit der Gießkanne über den Unternehmen ausgeschüttet werden, sondern zum Beispiel nur unter der Bedingung eines positiven Lehrabschlusses vergeben werden.

Laut Regierungsprogramm plant die Koalition, Lehrberufsinhalte in einzelne Teile zu zergliedern. Das sei positiv, wenn es zu mehr Gruppenlehrberufen kommt, so die Hauptversammlung. Allerdings lehnt sie eine "aufsteigende Modularisierung" der Lehrinhalte ab, bei der durch Teilung der Lehrzeit in Stufen Module hintereinander gereiht werden können. Dadurch liege die Entscheidung bei den Unternehmern, ob Lehrlinge eine begonnene Ausbildung fortsetzen können. Halb ausgebildete Lehrlinge hätten aber schlechtere Chancen im Beruf, warnt die Hauptversammlung. Sie verlangt außerdem, dass die geplante "Flexibilisierung" der Berufsschulzeiten nicht zu einer Verkürzung der Berufsschulzeit führen darf - und warnt davor, dass durch Anrechnung der polytechnischen Schule auf die Berufsschule die Schulpflicht im ersten Lehrjahr in Frage gestellt wird.

(Forts.)

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