Grüne: MA 11 lehnt Gespräch über WGs für lesbische, schwule und transidente Jugendliche ab

Die Wiener Grünen luden gestern zu einem StadtexpertInnengespräch.

Wien (Grüne) - Die Grüne Stadträtin Maria Vassilakou lud am 17. Juni zu einem StadtexpertInnengespräch ins Wiener Rathaus. Diese Gesprächsrunde stellte sich die Frage, ob betreute Wohngemeinschaften für lesbische, schwule und transidente Jugendliche Sinn machen würden und stellte das existierende Berliner Projekt "gleich & gleich" vor. Unter anderem nahmen die Wiener Jugendanwältin Monika Pinterits, Pädagogin Carola Koppermann, Gernot Sonneck von der Krisenintervention, Johannes Wahala von der Beratungsstelle Courage, die 16-jährige Christina Kaill, die in einer betreuten Wohngemeinschaft untergebracht ist, sowie VetreterInnen der HOSI Wien, von TransX, der Lesben- und Schwulenberatung der Rosa Lila Villa und der Grünen Andersrum teil.

MA 11 lehnte Gespräch ab

Wie Stadträtin Vassilakou bedauerte, nahm keinE VertreterIn der MA 11 an diesem StadtexpertInnengespräch teil: "Wir haben die MA 11 selbstverständlich eingeladen, allerdings bekamen wir als Antwort:
‚Aus Sicht der Jugendwohlfahrt besteht kein Bedarf an der Schaffung von WGs für homosexuelle, lesbische oder transidente Jugendliche. Eine solche Differenzierung nach sexueller Orientierung würde auch im klaren Widerspruch zu unserem Leitbild (nachzulesen auf der Homepage der MAG ELF) stehen.' Im Leitbild war ein solcher Widerspruch aber nicht zu finden, sondern zahlreiche Argumente dafür", so Vassilakou.

Der Leiter der Beratungsstelle Courage, Johannes Wahala, zeigte sich von der Notwendigkeit einer solchen Betreuung jugendlicher Lesben, Schwulen und TransGenders überzeugt, und nannte einige Beispiele aus seiner Praxis, die den Bedarf bestätigten. Wahala zitierte aus einer neuen Studie, in der erste Eckdaten ausgewertet wurden, nach der "die Suizidgefährdung bei Jugendlichen von 15 bis 21 in der Coming Out-Phase mit negativen Erlebnissen ca. bei 40 % liegt, während bei einem positiven verlaufenden Coming Out diese Rate ‚nur' mehr 12 % beträgt; allerdings noch immer eine wesentlich höhere Rate als bei heterosexuellen Jugendlichen. Dagegen mittels Aufklärungsarbeit vorzugehen sieht Wahala als "politische Verantwortlichkeit".

Beim StadtexpertInnengespräch zeigten sich zwei unterschiedliche Herangehensweisen, wie solche Wohngemeinschaften zustande kommen können. Viele TeilnehmerInnen sahen in der Gründung einer solchen spezialisierten Wohngemeinschaft den Anfang eines Prozesses, um das Thema und die Problematik sichtbar zu machen. Nicht nur Jugendlichen könnte konkret geholfen werden, sondern den Wiener SozialarbeiterInnen, ErzieherInnen oder LehrerInnen würde durch ein solches Angebot das Thema näher gebracht werden. Zudem teilten viele die Ansicht von TransX-Obfrau Eva Fels: "Eine solche Einrichtung wäre sofort notwendig. Transidente Jugendliche würden zuhause die Watsch'n bekommen, gehen deshalb von zu Hause weg, und bekommen in einer herkömmlichen Wohngemeinschaft wiederum die ‚Watsch'n'".

Einige TeilnehmerInnen fragten sich allerdings, ob die Zeit reif ist, um in Wien ein derartiges Projekt umzusetzen, oder wie Carola Koppermann es formulierte: "Würde das Umfeld in Österreich eine derartige Einrichtung akzeptieren?" Skeptisch waren einige GesprächspartnerInnen, ob lesbische, schwule, trans- oder bisexuelle Jugendliche bereit sind, im heutigen Gesellschaftsklima Österreichs in solchen Wohngemeinschaften einzuziehen. Wie die Jugendanwältin Pinterits und Vertreterinnen der Rosa Lila Villa betonten, seien breite gesellschaftliche Maßnahmen zu einem solchen Projekt flankierend notwendig, um Homophobie und Sexismus zu bekämpfen und Aufklärungsarbeit - vor allem schulisch und außerschulisch - zu leisten.

Abschließend zog Vassilakou den Schluss, dass es "sinnvoll ist, ein Pilotprojekt einer Wohngemeinschaft zu starten, und gleichzeitig in den nächsten Jahren ein Schwerpunkt in der Jugendarbeit und in der Ausbildung von PädagogInnen einerseits, Aufklärungsmaßnahmen auf breiter gesellschaftlicher Basis andererseits, zu setzen."

Rückfragen & Kontakt:

Pressereferat der Grünen im Wiener Rathaus
Tel.: 4000-81814
http://wien.gruene.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GKR0002