Unternehmen investieren jährlich 885 Mio € in die Weiterbildung

Landertshammer: Investitionen in den Menschen, also in Bildung, müssen mindestens jenen in Infrastruktur entsprechen - Walter: WIFI hat bestes Image unter Weiterbildungseinrichtungen

Wien (PWK391) - Wie in kaum einem anderen Land basiert die berufliche Qualifizierung in Österreich zu einem Gutteil auf dem Engagement der Unternehmen. "Gut ein Drittel - 35,5 % bzw. 885 Mio Euro - des rund 2,5 Mrd Euro schweren Marktes der beruflichen Weiterbildung wird von den heimischen Betrieben bestritten", gab Michael Landertshammer, Institutsleiter des WIFI Österreich und Leiter der bildungspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich, heute, Mittwoch, einen Überblick über den Aus- und Weiterbildungsmarkt in Österreich. Der Beitrag der Privaten ist mit 792 Mio Euro (31,8 %) ebenfalls beachtlich. Rund 599 Mio Euro kommen aus dem Arbeitsmarktservice (AMS) , die öffentliche Hand trägt mit rund 215 Mio Euro oder 8,6 % bei.

Neben den Unternehmen lobte Landertshammer auch das gute Abschneiden Österreichs bei den europäischen Bildungsbenchmarks. "Die Forderung der europäischen Bildungsminister, dass der Anteil der Schulabbrecher auf höchstens 10 % bis 2010 gesenkt werden soll, ist in Österreich längst realisiert. Hier zählen wir gemeinsam mit Schweden und Finnland zu den Bestperformern." Dennoch seien die EU-Benchmarks auch ein Arbeitsauftrag für Österreich, stellte Landertshammer klar und wies vor allem auf die geringe Zahl an Hochschulabsolventen in den Bereichen Mathematik, Wissenschaft und Technologie hin.

Ebenso reiche es auf Dauer mit Sicherheit nicht, Weltmeister in der beruflichen Erstausbildung zu sein. "Der Arbeitsmarkt wird durch die demographische Entwicklung in zunehmenden Maße auf Erfahrung und Wissen der älteren Erwerbspersonen angewiesen sein. Daher brauchen wir auch in der Erwachsenenbildung Spitzenwerte der Beteiligung", betonte der Bildungsexperte. Es gelte Anreize zu setzen, um die Weiterbildungsbeteiligungs-Quote der Erwerbspersonen von 40 auf 50 % bis 2010 zu steigern.

"Investitionen in den Menschen, also in Bildung, müssen mindestens gleichwertig sein wie die Investitionen in Verkehr und technische Infrastruktur", fordert Landertshammer mehr staatliche Unterstützung im Weiterbildungsbereich. Mit dem 20-prozentigen Weiterbildungsfreibetrag, der für Unternehmen eingeführt wurde, sei ein wichtiger Schritt zur Stärkung des "life long learning" gesetzt. Die WKÖ drängt darauf, dieses Instrument weiter zu entwicklen, wobei für Kleinstunternehmen und für besondere Zielgruppen wie Wiedereinsteigerinnen und ältere Arbeitnehmer eine Verdoppelung des Freibetrags auf 40 % angestrebt wird. "Insgesamt brauchen wir eine langfristige Strategie der Politik, um lebensbegleitendes Lernen zu realisieren", so Landertshammer. "Gefragt sind innovative Instrumente der Subjektförderung wie etwa Bildungssparen oder Bildungskonto." Die WKÖ arbeite diesbezüglich Vorschläge aus und sei bereit, an der weiteren Entwicklung und Umsetzung mitzuarbeiten.

Weiterbildungsbereich der WIFIs bis 2005 kostendeckend

Eine wesentliche Aufgabe und Verantwortung in der Weiterbildung kommt der - wie die neueste Gallup-Umfrage ergab - "bekanntesten Weiterbildungseinrichtung in Österreich", dem WIFI, zu. Der Kurator des WIFI Österreich, Michael P. Walter, stellte die Studienergebnisse vor, wonach das WIFI neben höchster Bekanntheit auch das beste Image unter den Weiterbildungseinrichtungen erreichte.

"Für 3/4 der Unternehmen ist das WIFI die erste Wahl für berufliche Weiterbildung", sieht sich Walter in seinem Ausbau der WIFI-Schwerpunkte "Wissensmanagement" und "Wissenstransfer" bestätigt. "In allen Zielgruppen attestiert man dem WIFI ein interessantes, aktuelles und vor allem praxisbezogenes Weiterbildungsangebot." Einziger Kritikpunkt (19 % der Bevölkerung) in der Umfrage seien hohe Kurs- und Seminarkosten. "Aber Qualität hat eben ihren Preis, der sich durch einen bestausgebildeten Mitarbeiter für die Unternehmen und durch einen gewonnen Arbeitsplatz oder einen besser dotierten Job für den Ausgebildeten aber mit Sicherheit rechnet", weiß Walter.

"Im Ausbildungsjahr 2001/2002 veranstalteten die WIFIs in Österreich 25.500 Veranstaltungen mit 306.500 Teilnahmen", zog der Kurator Bilanz. Im Weiterbildungsbereich aller WIFIs standen Kosten in der Höhe von 123 Mio Euro Erlösen von 116 Mio Euro gegenüber. "Die WIFIs sind damit auf bestem Wege, bis 2005 alle kostendeckend arbeiten zu können", so Walter.

Die größte Nachfrage herrscht nach Kursangeboten im Bereich der Betriebswirtschaft, gefolgt von Branchenangeboten und EDV und Informatik. Dies ist auch in den neuen WIFI-Kursbüchern für 2003/2004 berücksichtigt, die bereits österreichweit gratis zur Verfügung stehen und auch im Internet unter www.wifi.at zu finden sind. "Wer seine Karriere selbst in die Hand nehmen will, dem macht es das WIFI leicht wie nie zuvor. Firmen-Intern-Trainings und eLearning-Angebote gehören genauso zum Angebot wie Lehrgänge universitären Charakters oder die Vorbereitung zur Berufsreifeprüfung", macht Walter das Angebot schmackhaft.

Die am stärksten vertretene Altersgruppe bei den WIFI-Kunden sind die 26- bis 30-Jährigen. Ein Ziel für die nächsten Jahre sei allerdings die Weiterbildungsbeteiligung der über 45-Jährigen wesentlich zu verbessern, erklärt Walter. 46 % der Besucher haben einen Lehrabschluss, 11 % AHS-Abschluss, 34 % BHS- oder BMS-Abschluss und 8 % sind Akademiker. Der Anteil der Frauen an WIFI-Angeboten beträgt 48 %, Tendenz steigend.
Für die Zukunft wird der Ausbau in den Bereichen Gesundheitspflege und Sozialberufe, die Angebote im tertiären Bereich (Lehrgänge universitären Charakters, Fachhochschulgänge) und beim Unternehmerwerden forciert. (Ne)

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