Österreichische Stahlindustrie trotz schwierigem Umfeld auf Erfolgskurs

Wien (PWK387) - "Die globale Stahlkonjunktur verlief im Jahr
2002, entgegen dem allgemeinen wirtschaftlichen Trend, sowohl hinsichtlich der Mengen als auch in Bezug auf die Preise durchaus zufriedenstellend", berichtete Generaldirektor Franz Struzl, voestalpine AG und Obmann des Fachverbandes Bergbau-Stahl, anlässlich dessen Pressekonferenz am 18.6. in Wien.

Die Welt-Rohstahlproduktion überschritt erstmals die 900-Millionen-Tonnen-Marke und erreichte mit 902 Mio. to (das entspricht gegenüber 2001 einer Steigerung um über 6 %) einen historischen Höchstwert. Dieser Zuwachs wurde jedoch zum überwiegenden Teil in Asien und Südamerika erzielt. China steigerte seine Rohstahlproduktion 2002 um 20 % auf 181,6 Mio. to und überholte damit als weltgrößter Stahlerzeuger die Europäische Union, in der die Stahlproduktion mit 158,5 Mio. to gegenüber 2001 stagnierte. Bereits 41 % der Weltstahlerzeugung entfallen auf Produzenten aus Fernost, 19 % auf die Europäische Union und 11 % auf die USA.

Die österreichische Rohstahlproduktion ist 2002 um 5,5 % auf 6,2 Mio. to angestiegen.
Die Produktion von Roheisen hat sogar um 6,7 % auf 4,7 Mio. to zugenommen. Der österreichische Stahlverbrauch ist 2002 um 10,3 % auf 4,3 Mio. to angewachsen.

Die Entwicklung bei Qualitätsstahl im Jahr 2002 verlief, sowohl in Bezug auf die Produktionsmengen als auch im Hinblick auf die Preise, weitgehend gegen den allgemeinen Konjunkturverlauf. Zur Jahreswende 2001/2002 begannen sich die Preise für Flachprodukte nach einer längeren Phase deutlichen Preisrückgangs, die im dritten Kalenderjahr 2000 ihren Anfang nahm und im ersten Quartal 2002 ihren Tiefstand erreichte, zu stabilisieren. Im weiteren Jahresverlauf konnten die europäischen Stahlhersteller einige Preiserhöhungen durchsetzen, allerdings lag das durchschnittliche Preisniveau bis Jahresende 2002 nach wie vor unter jenem des Vorjahres. Anhaltend steigend waren zugleich die Kosten für Rohstoffe.

Der Beschäftigtenstand im EGKS-Bereich wurde im Jahresdurchschnitt um weitere 1,5 % reduziert, er betrug zu Jahresende 2002 11.490 Personen.

"Bei der Edelstahlindustrie hat die schlechte Konjunkturlage 2002 einen deutlichen Nachfragerückgang bewirkt", meinte Vorstandsdirektor Johann Weigand, Böhler Edelstahl GmbH & Co KG.

Auf dem Flachproduktesektor zeigte sich in Europa eine weitere Nachfrageabschwächung. Die USA haben sich auf niedrigem Niveau stabilisiert, während die Situation in den einzelnen Märkten Asiens unterschiedlich war. Die Situation bei Pressblechen für die Elektroindustrie ist nach wie vor als kritisch zu bezeichnen. Auf dem Langproduktesektor zeigte sich durchgehend eine gedämpfte Nachfrage, die auf die globale Wirtschaftssituation 2002 zurück zu führen ist. Der Konsum von Schnellarbeitsstählen ist weltweit im Jahr 2002 gesunken. Der Verbrauch an Zerspanungswerkzeugen wurde durch die rückläufigen Produktionszahlen in der Automobilindustrie, in der Luftfahrt und am Energiesektor merklich reduziert. Als positiver Absatzmarkt kann in Europa die BRD hervorgehoben werden. Erfreulich war die Entwicklung in den Fernostmärkten sowie in Australien. Der Markt für pulvermetallurgische Produkte war auch 2002 zufriedenstellend, doch war auch hier ein leichtes konjunkturbedingtes Abflachen zu vermerken. Im Bereich Werkzeugstahl war vor allem der europäische Markt auf niedrigem Bedarfsniveau und gleichzeitig wurden die Läger der Kunden bzw. Vertriebsgesellschaften der Situation angepasst. Der Absatzverlust in den europäischen Kernmärkten konnte trotzdem teilweise in anderen Marktregionen kompensiert werden. Das wirtschaftliche Umfeld hat sich aber im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Im Segment Energietechnik hat es nach einer mehrjährigen Boomphase drastische Einbrüche gegeben. Eine Erhohlung ist aus heutiger Sicht erst 2005/2006 zu erwarten. Im Bereich Luftfahrt waren v.a. Einbrüche am USA-Markt, aber auch in Europa, zu verzeichnen. Im Segment Ölfeld-Chemie ist nach wie vor eine stabile Marktnachfrage gegeben. Im Bereich Engineering-Automotive ist im 4. Quartal 2002 ebenfalls ein Bedarfsrückgang eingetreten. Nachdem der Schmiedesektor in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gewachsen ist, war 2002 eine Konsolidierungsphase zu verzeichnen.

In den ersten Monaten des Jahres 2003 hat sich der Anstieg der Weltstahlproduktion fortgesetzt: So stieg im ersten Kalenderquartal die weltweit erzeugte Rohstahlmenge gegenüber dem Vergleichszeitraum 2002 um 8,8 % von 208,5 Mio. auf 226,8 Mio. to. Auch diese Steigerung ist auf ein überproportionales Wachstum in China zurück zu führen. Die überdurchschnittlichen Zuwächse in Fernost gegenüber der im wesentlichen stagnierenden Produktion in der Europäischen Union spiegeln einerseits das in Asien ungleich höhere Wirtschaftswachstum mit entsprechend steigender Investitionstätigkeit, andererseits aber auch die strukturellen Bereinigungen in der europäischen Stahlindustrie, verbunden mit dem Abbau von Überkapazitäten, wider.

In Österreich wird die Stahlproduktion 2003 voraussichtlich gegenüber dem Jahr 2002 leicht ansteigen. Es wird ein sichtbarer Stahlverbrauch von etwa 4,5 Mio. to erwartet.

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