Bundespräsident Klestil/Abendessen für Präsident Bouteflika

Wien (OTS) - Es gilt das gesprochene Wort!

Tischrede von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil anlässlich des Abendessens zu Ehren des Präsidenten der Demokratischen Volksrepublik Algerien Abdelaziz Bouteflika in der Wiener Hofburg am 17. Juni 2003

Herr Präsident !
Sehr verehrte Damen und Herren!

Sehr herzlich heiße ich Sie, Herr Präsident, in der Wiener Hofburg willkommen. Es ist dies der erste Staatsbesuch eines algerischen Staatsoberhauptes in Österreich seit der Unabhängigkeit Ihres Landes. Sie selbst, Herr Präsident, kann ich als alten Freund begrüßen. Gerne erinnere ich mich an die gute Zusammenarbeit während unserer gemeinsamen Zeit in New York.

Ihr jahrzehntelanges Engagement für wichtige internationale Fragen charakterisiert auch Ihr Wirken als Staatsoberhaupt Ihres Landes, insbesondere auch im Zusammenhang mit den Problemen der Region und ihrer bedeutenden internationalen Dimension.
Der nahöstliche und der mediterrane Raum, in dem Algerien seit jeher eine prominente Rolle spielt, ist durch die Mitgliedschaft Österreichs in der Europäischen Union Teil unserer direkten Nachbarschaft geworden.
Österreich und Algerien verbindet dabei die Sorge um die Unruheherde der Region und der Wunsch nach politischen Lösungen für die Probleme des Nahen Ostens.
Dies gilt in besonderem Maß für den nun leider schon mehr als ein halbes Jahrhundert andauernden israelisch-palästinensischen Konflikt, der tagtäglich und gerade jetzt erneut Anlass zu größter orge gibt. Dringlicher denn je gilt es, den tödlichen Kreislauf von Hass und Gewalt zu durchbrechen.
Österreich unterstützt deshalb nachdrücklich alle Bemühungen zur Erreichung einer endgültigen, gerechten und umfassenden Friedenslösung im Nahen Osten. Eine solche muss auf der Existenz zweier unabhängiger und souveräner Staaten, Israels und eines palästinensischen Staates, in sicheren und anerkannten Grenzen basieren.

Eine Stabilisierung der gesamten Region wäre sowohl für Europa als auch für seine Nachbarn am südlichen und südöstlichen Ufer des Mittelmeeres von größter Bedeutung, um diesem gemeinsamen Raum eine Zukunftsperspektive für politische Stabilität und wirtschaftliche Prosperität zu eröffnen. Österreich sieht in diesem Zusammenhang im euro-mediterranen Prozess ein wichtiges Instrumentarium zur Förderung und Verwirklichung unserer gemeinsamen Interessen.

Herr Präsident!

Wir sehen in Ihnen einen der profiliertesten Staatsmänner Afrikas, dessen Engagement für eine nachhaltige Entwicklung des Kontinents wir zu schätzen wissen.
In diesem Zusammenhang möchte ich Sie zu Ihrer Entscheidung beglückwünschen, in Algerien ein afrikanisches Regionalzentrum für Terrorismusbekämpfung einzurichten, wobei Österreich auch seine eigenen Erfahrungen zur Verfügung stellen konnte.
Wie Sie wissen, spielen in Wien angesiedelte Einheiten der Vereinten Nationen eine besondere Rolle bei der Bekämpfung der internationalen Kriminalität, eine Rolle, von denen die Internationale Staatengemeinschaft soviel als möglich profitieren sollte.

Herr Präsident!

Ich habe nicht vergessen, dass Algerien wesentlich daran beteiligt war, durch das Stimmverhalten Ihres Landes bei der UNO und ihre führende Rolle bei den Blockfreien, dass Wien zur 3. UNO-Stadt auserwählt wurde.

Herr Präsident !

Freundschaften beweisen sich besonders in Zeiten der Not oder bei der Bewältigung von Krisen. Um dies zu verdeutlichen, gestatten Sie mir, zwei Ereignisse zu erwähnen, die unsere Länder besonders bewegen. Ich denke zum einen an die Befreiung der im Süden Algeriens vermissten Österreicher und möchte Ihnen an dieser Stelle, auch im Namen der heute hier Anwesenden, erneut sehr herzlich für Ihren persönlichen Einsatz danken.
Unsere Gedanken sind aber auch bei den noch in der Sahara festgehaltenen europäischen Touristen, die hoffentlich auch bald befreit werden können.
Eine Katastrophe von ganz anderen Dimensionen stellt das schwere Erdbeben dar, welches Ihr Land erst unlängst erschüttert hat. Das Schicksal der unzähligen betroffenen Familien bewegt uns zutiefst. Österreich war bemüht, durch rasche Hilfeleistungen ein wenig zur Linderung der entstandenen Not beizutragen.
Österreich und Algerien erfreuen sich seit langem ausgezeichneter bilateraler Beziehungen in den verschiedensten Bereichen, mit einem Schwerpunkt auf dem Wirtschaftssektor. Diese Beziehungen haben durch den Beitritt Österreichs zur Europäischen Union und den Abschluss des Assoziierungsabkommens zwischen Algerien und der Europäischen Union zusätzliches Gewicht erhalten.
Österreich ist überzeugt, dass eine Freihandelszone, die den ganzen Mittelmeerraum umfassen soll, keine Utopie darstellt, sondern viel mehr eine Notwendigkeit, um das Mittelmeer zu einer Zone des Friedens und des Wohlstandes zu gestalten.

Ich freue mich, dass Sie in Begleitung einer Wirtschaftsdelegation gekommen sind. Dies wird der Dynamik unserer Wirtschaftsbeziehungen gewiss förderlich sein.
In diesem Zusammenhang ist von Bedeutung, dass heute im Rahmen Ihres Besuchs die bilateralen Abkommen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung sowie zum Schutz von Investitionen unterzeichnet wurden.

Herr Präsident!

Österreich und Algerien sind Länder mit großer Vergangenheit und kulturellem Reichtum.
Es kann daher nur als unsere tiefste Verpflichtung gegenüber den Menschen in unseren Ländern und Regionen angesehen werden, den Dialog zwischen unseren Kulturen und Religionen auszubauen und weiter zu entwickeln.

So erhebe ich denn mein Glas auf Ihr Wohl, Herr Präsident, auf die Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern und auf eine glückliche Zukunft des algerischen Volkes in Frieden und Wohlstand.

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