Und plötzlich soll’s Vater Staat richten

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Daniela Friedinger

Wien (OTS) - Wirft man einen Blick in Finanzminister Grassers Budget, dann ist der Wunsch nach einer kräftigen Erhöhung der Forschungsgelder verständlich: Mit 1,471 Milliarden Euro - nach 1,468 Milliarden im Jahr 2002 - wurden die Forschungsausgaben für das laufende Jahr bestenfalls valorisiert, von der oftmals angekündigten Forschungsoffensive also keine Spur. Dennoch verwundert es, wenn etwa die Industriellenvereinigung, die bei den ÖIAG-Unternehmen den Staat lieber heute als morgen draussen hätte, nun wieder so vehement nach dem Staat ruft.

Lässt man nämlich den Blick über Grassers Budget hinaus bis in die Vorzeigeländer Finnland und Schweden schweifen, erweisen sich die knappen Fördermittel nur als die halbe Wahrheit in Österreichs Forschungsdilemma: Dass Finnland mit einer Forschungsquote von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aufwarten kann und Schweden sogar bei 4,2 Prozent und damit an Europa-Spitze liegt, ist schliesslich nicht allein Vater Staates Verdienst. So macht der Anteil der öffentlichen Hand an den Forschungsausgaben in Finnland nur 28 Prozent aus, in Schweden gar nur ein Viertel. Der Rest kommt von den Unternehmen selbst. In Österreich hingegen werden stolze 41,5 Prozent der F&E-Aufwendungen von staatlicher Seite zugeschossen.

Aus diesen Daten den Schluss zu ziehen, nur die Unternehmen sollen für F&E-Ankurbelung sorgen, wäre freilich zu einfach. Der Hut brennt. Schliesslich grundeln wir seit Jahren dahin und sind mit einer Forschungsquote von derzeit 1,95 Prozent des BIP gerade mal Zehnter in der EU. Und ohne technologische Speerspitzen wie Ericsson in Schweden und Nokia in Finnland wird es schwer sein, allein aus unternehmerischer Anstrengung an die Top-Länder aufzuschliessen. Nicht einmal das Regierungsziel, bis 2006 auf 2,5 Prozent zu kommen, ist dann erreichbar.

Dass das Ziel nach Ansicht von Experten allerdings auch mit den 600 Millionen Euro verfehlt werden könnte, die die Politik angeblich ab 2004 für Forschung bereitstellen wird, liegt nicht an der Regierung alleine. Die Anreize durch Fördermittel sind bestenfalls dazu angetan, die Unternehmen aus dem technologischen Tiefschlaf zu rütteln. Für den Rest müssen sie selber sorgen.

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