Kolland-Studie bestätigt Untragbarkeit der Studiengebühren

Sozial selektive Studiengebühren benachteiligen vor allem Frauen

Wien (OTS)- Auf Drängen der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) wurde die sogenannte Kolland-Studie über die "Auswirkungen der Einführung von Studiengebühren auf die Studienbeteiligung und das Studierverhalten" mit fast einjähriger Verspätung nun freigegeben. Das Schriftstück beweist die sozial selektive Wirkung der Studiengebühren, d.h. Studiengebühren beschränken den freien Hochschulzugang für Studierende aus bildungsfernen Schichten. Sie zwingen StudentInnen aufgrund des gesteigerten finanziellen Drucks zu mehr Erwerbstätigkeit, wodurch die Studienaktivität beeinträchtigt wird. Die Vermutung von Bildungsministerin Gehrer, mit den Gebühren werde das Leistungsbewusstsein der Studierenden steigen, wird klar widerlegt. Hauptleidtragende der Gebühreneinführung sind erwartungsgemäß Frauen. Hinsichtlich verbesserter Serviceleistungen -wie sie vom BMBWK des öfteren propagiert wurden - erweisen sich die Gebühren für die Betroffenen als wirkungslos, so die Studie weiter. Anita Weinberger vom ÖH - Vorsitzteam urgiert dringenden Handlungsbedarf: "Nun kann Bildungsministerin Gehrer schwarz auf weiß nachlesen, dass die Studiengebühren sozial ungerecht sind und nichts am Qualitätsstandard der Universitäten geändert haben. Sollte Gehrer auch nur einen Funken sozialen Gewissens haben, muss sie die Gebühren umgehend wieder abschaffen."

Die Ergebnisse der Kolland - Studie wurden vom Bildungsministerium trotz wiederholter Anfragen der ÖH fast ein Jahr lang unter Verschluss gehalten. Der Grund dafür liegt offensichtlich im erschütternden Ergebnis, das die Studie offenbart:

Seit Einführung der Studiengebühren haben viele StudentInnen ihr Studium abgebrochen. Signifikant dabei ist die Tatsache, dass das Gros der Abbrüche im Bereich der bildungsfernen Schichten angesiedelt ist. StudentInnen welche aus dem Arbeiter-, Selbständigen oder landwirtschaftlichen Milieu kommen bilden den Hauptanteil der StudienabbrecherInnen, wobei "Frauen aus unteren Bildungs- und Erwerbsschichten [...] stärker vom Studienabbruch betroffen" sind, konstatiert Kolland.

"Die Hälfte der Studierenden (Frauen stärker als Männer) verspürt einen stärkeren zeitlichen und finanziellen Druck als Auswirkung [...]der Studiengebühren", bemerkt die Studie. Die deshalb gesteigerte Erwerbstätigkeit ist für viele unvereinbar mit dem Studium, bewirkt eine geringere Studienaktivität und ist einer der Hauptgründe für den Studienabbruch.

Studiengebühren würden StudentInnen zum verstärkten Besuch von Lehrveranstaltungen animieren, ist ein weiteres, oft bemühtes, jedoch nun durch die Kolland-Studie widerlegtes Argument von Frau Gehrer:
"Nicht bestätigt werden kann die Vermutung, dass aufgrund der Studienbeiträge mehr Lehrveranstaltungen besucht werden."

"Hinsichtlich der Serviceleistungen erwarten sich zwei Drittel (der Befragten, Anm.) keine Veränderungen aufgrund der eingeführten Studienbeiträge", stellt Kolland fest, womit bewiesen ist, dass die lukrierten Gebühren, anders als von Bildungsministerin Gehrer versprochen, nicht zur Verbesserung der Qualität der Universitäten genutzt wurden.

Die darliegenden Studienresultate untermauern alle Befürchtungen der ÖH und lassen nur einen Schluss zu: "Der freie Hochschulzugang ist nicht mehr gegeben. Gehrer muss handeln. Die Studiengebühren sind weder budgetär noch bildungspolitisch sinnvoll. Das müsste Gehrer spätestens jetzt erkannt haben", erklären Andrea Mautz und Anita Weinberger vom ÖH - Vorsitzteam unisono.

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