"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Quoten braucht es" (Von Anita Heubacher)

Ausgabe vom 17. Juni 2003

Innsbruck (OTS) - Eine Frauenquote von 40 Prozent hat sich die SPÖ selbst auferlegt. Allerdings lässt diese Vorgabe einiges an Interpretation zu. Denn ob die 40 Prozent an wählbarer oder unwählbarer Stelle sind, ist nicht definiert. So rechnet der SP-Parteichef bis zum zwölften Listenplatz und brüstet sich mit einer erfüllten Quote. Die Frauenchefin zählt, bei derzeit acht Mandaten für ihre Partei, bis Platz 9 und findet zwei Frauen und damit eine unerfüllte Quote.
Die ÖVP hat sich selbst eine Drittel-Quote im Landtag verordnet. Derzeit sind zwei der 18 Abgeordneten Frauen. Ohne Verordnung von oben wäre ein Drittel ein utopisches Ziel. Und selbst mit Verordnung ist es schwer umzusetzen. Auf Macht und Geld verzichtet keiner freiwillig, daher braucht es einen Lenkungseffekt von oben. VP-intern hat zum Beispiel der Bauernbund die Frauenquote schon als Chance für den eigenen Bund entdeckt. In Imst schickt Bauernbundchef Toni Steixner mit Claudia Hirn eine junge Frau ins Rennen. Hätte er einen männlichen Kandidaten nominiert, wäre der sicher nicht auf Platz 2 gelandet.
Bei vielen Frauen, die etwas werden, ertönt sofort der Unkenruf von der Quotenfrau, die nicht qualifiziert ist. Inzwischen studieren bereits mehr Frauen als Männer. Gut ausgebildete Frauen müsste es eigentlich genug geben. Bei Männern, die in bestimmte Positionen vorrücken, wird die Qualifikation automatisch weniger hinterfragt. Männer bringen nicht Quoten, sondern ihre Seilschaften in Position. Seilschaften sind etwas, das in der Frauenwelt noch völlig fehlt. Frauen lassen sich selten gegenseitig leben, um dann voneinander zu profitieren. Frauensolidarität gibt es nicht, oder im besten Fall kaum. So stellen sich Frauen oft selbst als erstes das Bein: Die größten Kritikerinnen finden sich zumeist unter den Geschlechtsgenossinnen. Eine von oben verordnete Quote braucht es auch so lange, so lange das noch so ist.

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