"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Imagepolitur" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 17.06.2003

Wien (OTS) - Finanzminister Karl Heinz Grasser ist seit seinem Parteiaustritt nicht nur bei den Freiheitlichen in Misskredit geraten, auch in der ÖVP steht der Selbstdarsteller nicht mehr allzu hoch in Kurs. Die Industriellenvereinigung setzt also möglicherweise auf das falsche Pferd, wenn sie dem Image des Finanzministers mit nicht unerheblichem Mitteleinsatz auf die Sprünge hilft.
Als die ersten Gelder für den "Verein zur Förderung der New Economy" geflossen sind - er hat nicht nur Showauftritte von Minister Grasser vor Wirtschaftstreibenden organisiert, sondern auch dessen Homepage, auf der unter anderem seine Kletterpartie auf den Stephansturm zu bewundern ist -, war Grasser allerdings noch Liebkind der FPÖ. Mit der Spende haben sich die Industriellen wohl auch Sympathien der "Partei des kleinen Mannes" für ihre Anliegen zu erkaufen gehofft. Das gilt auch für die Unterstützung der von der Regierung organisierten Inseraten-Initiative von drei Dutzend Universitätsprofessoren für die Pensionsreform. Selber finanzieren wollten die gut bezahlten Herren ihren Aufruf nicht. Dass eine Bank und die Industriellenvereinigung die Hauptsponsoren waren, haben sie angeblich gar nicht gewusst.
Die von der Opposition vermutete "verbotene Geschenkannahme" liegt wohl weder seitens des Finanzministers noch seitens der Professoren vor. Die Frage, ob die Industriellenvereinigung mit den mehr als 200.000 Euro, die sie in Grasser und das Professoreninserat investiert hat, nicht Nützlicheres hätte tun können, bleibt aber erlaubt.

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