"Die Presse"-Kommentar: "Die Kinder der Revolution" (VON THOMAS VIEREGGE)

Ausgabe vom 16.6.2003

Wien (OTS) - Seit George W. Bush seinen Feldzug gegen den Terrorismus lanciert hat, sind die iranischen Mullahs gehörig ins Schwitzen gekommen. An der West- und der Ostflanke, im Irak und Afghanistan, sind die Regime gefallen wie reife Früchte, und auch im Land selbst gärt es. Nicht einmal der moderate Präsident Mohammed Khatami, Galionsfigur einer Öffnung zum Westen, kann die erhitzten Gemüter noch kalmieren. Zu lange haben die Kinder der Revolution ihre Hoffnungen in ihn gesetzt, zu oft sind sie enttäuscht worden. Die Reformversuche sind im Sand verlaufen, hintertrieben von den Fundamentalisten um Revolutionsführer Khamenei.
Wie schon vor vier Jahren gehen die Studenten auf die Barrikaden. Sie riskieren die offene Konfrontation mit den Schergen des Regimes. Schon der kleinste Funke genügt, dass sich die Proteste ausbreiten -der Unmut gegen die Knebelung der persönlichen Freiheiten sitzt tief. Verzweifelt versuchen die Mullahs ihre Schlägerbanden zur Räson zu rufen, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden.
Und George W. Bush? Der US-Präsident kann derweil bequem fischen gehen und abwarten, ob der Systemwechsel nicht ganz allein vonstatten geht - ohne "militärische Hilfe" aus Washington. t.vieregge@diepresse.com

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