Absetzfristen gleichen einem Glücksspiel

VIER PFOTEN: Trotz Einhaltung von Absetzfristen krebserregende Substanzen im Putenfleisch möglich

Wien (OTS) - Auch wenn die so genannten "Absetzfristen" von Futtermittelzusatzstoffen eingehalten werden, können im Putenfleisch krebserregende Substanzen zurück bleiben - so lautet das beunruhigende Ergebnis einer von VIER PFOTEN in Auftrag gegebenen Fleischuntersuchung. "Das Gesetz sieht bei Nifursol eine Absetzfrist von fünf Tagen vor, in der Brustmuskulatur und der dazu gehörigen Haut der Pute konnte aber auch nach sieben Tagen noch Nifursol festgestellt werden", kritisiert Nutztierreferent Michael Buchner.

Darüber hinaus hat die Untersuchung ergeben, dass Nifursol in inaktiven Geweben wie z.B. Oberschenkelknochen sogar nach 27 Tagen registriert werden kann. Daher ist es unvermeidlich, Knochen in die vorgesehenen Testreihen mit aufzunehmen, das Kontrollsystem deutlich zu verbessern und die Sensitivität der Methodik zu schärfen. "Wir sind fassungslos , dass - trotz des bekannten Gefährdungspotenzials von Nifursol - derart leichtfertig mit der Definition von Absetzfristen umgegangen wird", so Buchner.

Der Futtermittel-Zusatzstoff Nifursol wurde bis zum 31.03.2003 in der Putenaufzucht bzw. Putenmast zur Bekämpfung der so genannten "Schwarzkopfkrankheit" eingesetzt. Nifursol gehört zur Gruppe der "Nitrofurane", die seit Jahren als krebserregend und erbgutschädigend eingestuft werden.

Trotz des EU-weit bekannten Gesundheitsrisikos wurde den Puten Nifursol bis zum 31.03.2003 vorbeugend verabreicht. Begründet wurde diese Vorgehensweise mit dem Argument, dass Nifursol die einzig wirksame Möglichkeit zur Bekämpfung der gefürchteten Schwarzkopfkrankheit sei.

Die Empfehlung der Behörden lautete, Nifursol fünf Tage vor der Puten-Schlachtung abzusetzen, um sicher zu gehen, dass keine Rückstände in - für den Verzehr bestimmten - Fleisch und Knochen vorhanden sind. "Unsere Untersuchung hat verdeutlicht, dass die vorgesehene Absetzfrist völlig unzureichend ist. Nifursol ist zwar nach 21 Jahren vom Markt, aber die Frage nach der Gültigkeit anderer Absetzfristen bleibt im Raum stehen - und zwar mit einem bitteren Nachgeschmack für Tier- und Konsumentenschützer", so Buchner.

Die Vorschriften zur Kontrolle und die Bestimmung über Absetzfristen bedürfen einer dringenden Nachjustierung. Denn es gibt keine Garantie, dass das - mittlerweile aus dem Verkehr gezogene -Negativbeispiel Nifursol nicht weitere "Geschwister" unter den pharmazeutischen Stoffen hat, lautet die Forderung der VIER PFOTEN.

Die Zeit ist längst reif dafür, dass den Bekenntnissen der Politiker zur Gesundheit der Bevölkerung konkrete Taten folgen. Die Diskussion rund um die Verlässlichkeit der Absetzfristen bzw. die Verbesserung des Kontrollwesens darf aber nicht an Österreichs Grenzen enden, sondern muss auch in den entsprechenden europäischen Gremien diskutiert werden.

Ausgangspunkt allen Übels ist die nach wie vor forcierte Intensivtierhaltung. "Die Forschung im Hinblick auf alternative Mittel und tiergerechte Haltung muss intensiviert werden. Denn die Folgen dieser unwürdigen Haltung führen zu überzüchteten, krankheitsanfälligen Tieren und wirken sich in weiterer Folge auch auf den Konsumenten negativ aus. Denn Tier- und Menschenschutz hängen, nicht nur in diesem konkreten Fall, sehr eng zusammen", argumentiert VIER PFOTEN Nutztierreferent Michael Buchner.

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