Blecha: Offener Blecha-Brief an Uni-Professoren

Wien (SK) Als Reaktion auf die in den Tageszeitungen erschienenen "bezahlten Anzeigen" von 30 Universitätsprofessoren richtet der Präsident des Pensionistenverbandes Österreichs, Karl Blecha, einige Fragen an die Unterzeichner.

Der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Universitätsprofessor,

Mit Interesse habe ich Ihren am 7. Juni in verschiedenen Tageszeitungen veröffentlichten Aufruf gelesen, mit dem Sie eine "rasche Beschlussfassung über Reformen unseres Pensionssystems" fordern. Die von der Bundesregierung dem Nationalrat vorgeschlagenen Pensionsreformmaßnahmen beinhalten aber in erster Linie tiefe Eingriffe in die Lebensverhältnisse von hunderttausenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus den unteren Einkommensschichten, die teilweise schon jetzt zu den Benachteiligten unseres Wirtschafts- und Sozialsystems gehören.

Als Universitätsprofessor haben Sie selber hingegen im Rahmen der weiterhin geltenden Gesetze auch in Hinkunft einen Rechtsanspruch auf eine Emeritierung, was für Ihre Einkommensverhältnisse die angenehme Konsequenz haben wird, dass Sie mit Ablauf des Studienjahres, in welchem Sie das 68. Lebensjahr vollenden, gemäß § 10 Abs. 1 PG weiterhin 100 Prozent Ihres letzten Monatsbezugs gemäß § 3 und § 48 GG beziehen werden.

Da sich Ihr Appell an "die politischen Parteien Österreichs, an die Sozialpartner, an die Medien dieses Landes und an die breite Öffentlichkeit" richtet, erlaube ich mir, Ihnen ebenfalls öffentlich folgende Fragen zu stellen:

1. Ist es als "Fairness zwischen den Generationen" zu bezeichnen, wenn Sie als Angehöriger eines privilegierten Berufsstandes nach Ihrer Emeritierung weiterhin die gleichen Monatsbezüge wie als aktiver Universitätslehrer erhalten, während Sie anderen Berufsgruppen, insbesondere im Geltungsbereich des ASVG schmerzliche Reduktionen ihres ohnehin wesentlich niedrigeren Lebenseinkommens zumuten?

2. Sollte die Bundesregierung ihre derzeit nur vage bekundeten Absichten zur Harmonisierung der Pensionssysteme im privaten und im öffentlichen Bereich tatsächlich in absehbarer Zeit realisieren, wären Sie dann bereit, eine Abschaffung der gesetzlichen Bestimmungen über die Emeritierung auch für jene ordentlichen Universitätsprofessoren, die vor dem 1. März 1998 ernannt worden sind, in ähnlicher Weise argumentativ mit zu tragen und durch öffentliche Appelle zu unterstützen?

Ich bitte Sie aus gegebenem Anlass dringend um Ihre geschätzte Stellungnahme, bzw. um Ihre Antwort auf meine Fragen, da ich analog zu Ihrer Vorgehensweise ebenfalls "die politischen Parteien Österreichs, die Sozialpartner, die Medien dieses Landes und die breite Öffentlichkeit" von Ihrer Reaktion auf dieses Schreiben informieren möchte.

Wie Sie wissen trete ich als Bezieher einer Ministerpension seit Monaten für einen "Solidarbeitrag" ein, den alle Bezieher höherer Pensionen leisten sollen.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Blecha
Präsident des
Pensionistenverbandes Österreich

(Schluss) wf/mm

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