OeNB - Sparen und Finanzieren im Jahr 2002

~ Geldvermögensbildung und Finanzierung der nichtfinanziellen Sektoren in Österreich Wien (OTS) - - Die privaten Haushalte investierten 2002 in Finanzanlagen rund 12,6 Mrd EUR, wobei die Auswahl sehr risikoavers ausfiel. Ein wichtiger Punkt war die Privatvorsorge durch den Erwerb von Lebensversicherungen und Pensionskassen- einzahlungen. - Das Geldvermögen der privaten Haushalte erreichte zum 31. Dezember 2002 einen Wert von rund 290 Mrd EUR; das ist mehr als das Zweifache des verfügbaren Einkommens. - Die Unternehmen reduzierten markant ihre Bruttoanlage- investitionen und die damit verbundene Finanzierung im Jahr 2002. Die Neuverschuldung erreichte ein Volumen von 12,1 Mrd EUR. Inländische Bankkredite an Unternehmen verzeichneten seit Jahren erstmals Rückgänge. ~

Die privaten Haushalte erhöhten im Jahr 2002 ihr Geldvermögen um 4,5% durch Finanzinvestitionen vor allem in Einlagen, Schuldverschreibungen und Versicherungssparprodukte. Wesentlich
zu der Steigerung hat auch der Wiederanstieg des Bargeldbestands beigetragen.

Insgesamt dürften die Veranlagungen im Jahr 2002 mit einem Gesamtvolumen von 12,6 Mrd EUR von risikoaversen
Auswahlkriterien dominiert worden sein, womit sich die
Entwicklung aus dem Jahr 2001 im Berichtsjahr fortsetzte.

Die privaten Haushalte investierten dabei ein Drittel in Finanzanlagen, die von Banken angeboten wurden. Neben den
Einlagen in Höhe von rund 3,4 Mrd EUR kauften sie um 1,1 Mrd EUR Schuldverschreibungen. Bei den Bankemissionen handelt es sich
zum größeren Teil um steuerlich begünstigte Wohnbauanleihen. Die im Jahr 2002 über das Internet verkauften Bundesschatz-scheine wurden von privaten Haushalten um knapp mehr als 100 Mio EUR erworben.

Die Euro-Bargeldeinführung führte im Jahr 2001 zu einer Auflösung der Schilling-Bargeldbestände in Höhe von 3 Mrd EUR. Diesem temporären Rückgang stand im Jahr 2002 wieder ein Anstieg von rund 3,6 Mrd EUR gegenüber.

Eine wichtige Form der Veranlagung war, wie schon im Jahr
2001, die Privatvorsorge. Die Zuwächse in Form von Lebensversicherungen und Pensionskasseneinzahlungen betrugen im
Jahr 2002 insgesamt 3,7 Mrd EUR, davon drei Viertel auf
Einzahlungen in Lebensversicherungen.

Dagegen dürften die anhaltenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten das Interesse an Aktien und Investmentzertifikaten deutlich gesenkt haben. Betrug der Erwerb von Aktien und Investmentzertifikaten im Jahr 2001 3,8 Mrd EUR, so erwarben die privaten Haushalte diese Finanzanlagen im Berichtsjahr nur noch
um 900 Mio EUR. Maßgeblich für diese Entwicklung war die sehr zurückhaltende Nachfrage nach inländischen Investmentzertifi-katen in Höhe von 370 Mio EUR (2001: 2,4 Mrd EUR).

Die Kreditnachfrage der privaten Haushalte blieb 2002 im Vergleich zum Jahr 2001 konstant. Die Neuverschuldung erreichte
ein Volumen von 4,3 Mrd EUR. Konsum- als auch Wohnbaukredite
sorgten für den größten Teil dieses Anstiegs. Wie schon in den Vorjahren beobachtet, verschuldeten sich private Haushalte auch
im Jahr 2002 maßgeblich durch Fremdwährungskredite (2002:
2,7 Mrd. EUR).

Das gesamte Geldvermögen der privaten Haushalte erreichte zum Stichtag 31. Dezember 2002 einen Wert von 290 Mrd EUR (2001:
281 Mrd EUR), das ist mehr als das Zweifache des verfügbaren Einkommens dieses Sektors.

Den Zuwächsen aus den Veranlagungen standen
Bewertungsverluste für Teile des Geldvermögens gegenüber. Der Marktwert der Investmentzertifikate und Aktien fiel im Jahr 2002
um 3,5 Mrd EUR.

Die Verschuldung der privaten Haushalte stieg im Berichtsjahr
von 85,3 auf knapp unter 90 Mrd EUR, woraus sich ein Nettogeldvermögen von rund 200 Mrd EUR errechnet.

Die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Unternehmen) verringerten im Jahr 2002 markant ihre Bruttoanlage-
investitionen. Ebenfalls rückläufig war daher die
Neuverschuldung dieses Sektors. Die im Jahr 2002 in Anspruch genommenen Finanzierungen der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften machten 12,1 Mrd EUR aus, wovon 9/10 durch Kredite aufgebracht wurden. Ein Jahr davor erreichte die Neuverschuldung noch einen Wert von rund 21 Mrd EUR.

Während in den vergangenen Jahren die inländischen Banken
einen wesentlichen Teil zur Kreditfinanzierung der Unternehmen beigesteuert hatten, waren sie im Jahr 2002 in der Kreditvergabe sehr zurückhaltend. Per Saldo kam es im Berichtsjahr zu Nettotilgungen von Bankkrediten in Höhe von 2,3 Mrd EUR, wobei
die in Fremdwährung finanzierten Kredite einen Zuwachs von rund
500 Mio EUR aufwiesen. Hier dürften auch geänderte Risikoeinschätzungen der Banken eine Rolle spielen, eine Entwicklung die im ganzen Euroraum feststellbar ist.

Deutlich geringer waren auch die Direktinvestitionen des
Auslands bei inländischen Unternehmen. Der Transaktionswert der Direktinvestitionen nach Österreich lag im Jahr 2001 bei rund
5,4 Mrd EUR, während im Jahr 2002 nur 1,4 Mrd EUR aus diesem
Titel nach Österreich flossen.

Zuwächse verzeichneten hingegen die Auslandskredite. Im Berichtsjahr 2002 wurden Finanzierungen bei ausländischen Finanzinstituten oder zwischen verbundenen Unternehmen im Ausmaß von knapp mehr als 10 Mrd EUR aufgenommen.

Die Verpflichtungsseite des Unternehmenssektors betrug zum Stichtag 31. Dezember 2002 271,2 Mrd EUR (2001: 261,4 Mrd EUR).
Rund ¾ davon entfielen auf Fremdkapital, das wieder zu 90% aus Krediten bestand.

Detaillierte Daten erscheinen im Statistischen Monatsheft
5/2003 und sind im Internet unter www.oenb.at/Statistik
abrufbar. Eine weitergehende Analyse der Daten erscheint in
Berichte und Studien 2/2003.

Anhangtabellen:

Geldvermögensbildung und Finanzierung der privaten Haushalte 1)
Mio EUR

Geldvermögensbildung insgesamt ...... 14.016 11.028 12.570 Finanzierung kurzfristige Kredite ................ -769 49 619 langfristige Kredite ................ 5.316 3.915 3.699 sonstige Verbindlichkeiten .......... 94 6 279

Quelle: OeNB.
1) einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck.
2) vorläufige Daten.

Geldvermögensbildung und Finanzierung der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften
Mio EUR

2000 2001 2002 Geldvermögensbildung 1) Bargeld ............................. 77 -1.112 344 Sicht, Termin- und Spareinlagen ..... 766 1.689 880 festverzinsliche Wertpapiere ........ 503 234 732 Aktien und andere Anteilsrechte ..... 3.862 6.042 3.590 davon Direktinvestitionen im Ausland 4.145 2.870 3.144 Investmentzertifikate ............... 2.276 821 0 Kredite und sonstige Forderungen .... 2.502 1.034 1.046 ---------------------------------------------------------------- Geldvermögensbildung insgesamt ...... 9.985 8.709 6.592 Finanzierung kurzfristige Kredite ................ 4.376 -1.034 1.907 langfristige Kredite ................ 13.657 12.589 8.776 festverzinsliche Wertpapiere ........ 2.116 576 -179 Aktien und andere Anteilsrechte ..... 4.361 8.960 1.848 davon Direktinvestitionen vom Ausland 2.308 5.414 1.357 sonstige Verbindlichkeiten .......... -2.544 -183 -228 ---------------------------------------------------------------- Finanzierung ingesamt ............... 21.966 20.909 12.124 ---------------------------------------------------------------- Finanzierungssaldo ..................-11.981 -12.199 -5.532 ----------------------------------------------------------------

Quelle: OeNB.
1) vorläufige Daten.

Weitere statistische Informationen unter http://www.dieaktuelleZahl.oenb.at

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