BI Bau für umfassenden Maßnahmenkatalog gegen Schwarzarbeit

Neue Schneider-Studie zeigt: Pfusch in Österreich weiterhin Kavaliersdelikt

Wien (PWK 366) - Nach aktuellen Berechnungen wächst die Schattenwirtschaft doppelt so stark wie die offizielle Wirtschaft. Nur jeder zehnte Erwachsene meint, dass man Pfusch strenger bestrafen solle. 18 Prozent der Österreicher ließen in den letzten 12 Monaten pfuschen und 16 Prozent der Österreicher haben die Möglichkeit schwarz dazuzuverdienen. Das sind einige Punkte der Ergebnisse einer aktuellen und detaillierten Studie des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider, die heute, Dienstag, im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Bundesinnungsmeisrer der BI Bau, Johannes Lahofer, der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Erstmals wurden neben der Bevölkerung auch Bauunternehmer und Pfuscher befragt, um ein möglichst umfassendes Bild der Schattenwirtschaft zeichnen zu können.

Lahofer ortet jedenfalls "Handlungsbedarf", sowohl im Bereich des privaten als auch des gewerblichen Pfusches. 44 Prozent der Bevölkerung und 79 Prozent der Bauunternehmer geben der hohen Abgaben- und Steuerquote in Österreich die Schuld an der Schattenwirtschaft. 43 Prozent der Firmenchefs vermuten, dass ihre Mitarbeiter zumindest sechs Wochenstunden in eine Schwarzarbeit investieren. "Die Schlußfolgerung für die Bundesinnung Bau: Es muß gelingen, den Pfusch durch Verringerung der Steuer- und Abgabenlast unattraktiver zu machen, die Kontrollen verstärkt auf organisierten Pfusch auszurichten und aus Sicht der Bauunternehmen akzeptable Abgrenzungen zur erlaubten Nachbarschaftshilfe zu definieren", betont Lahofer. Das Ziel: Im gewerblichen Bereich solle durch einen Aktionsplan die Schwarzarbeit um ein Drittel gesenkt werden. Dadurch könnten 5.000 bis 6.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die Maßnahmen im Detail: Im Bereich der Kontrolle drängt die BI Bau auf eine Ausweitung der Kontrollen der im Finanzministerium angesiedelten KIAB auch auf den privaten Bereich. Im Gewerbe habe die Ausweitung der Kontrollen bereits, so der Bundesinnungsmeister, zu Erfolgen geführt. Schließlich führe die vermehrte Tätigkeit von Scheinfirmen zu einer teils massiven Wettbewerbsverzerrung. Verbesserungen ortet die BI Bau auch durch eine bessere Vernetzung von Gewerbebehörde, Sozialversicherung, Bauarbeiter- Urlaubs- und Abfertigungskasse sowie Finanz- und Kriminalbehörden. So sollte die Abmeldung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers von der Sozialversicherung eine automatische Abmeldung bei der Gewerbebehörde nach sich ziehen.

Im Finanz- und Steuerbereich sollte die Wohnbauförderung nur mehr auf den Faktor Arbeit gewährt werden. "Durch dieses Maßnahme soll es gelingen, dass im Ausmaß der Förderung die Lohnnebenkosten rückvergütet werden", so Lahofer. Dies hätte den Effekt, dass der Schwarzarbeiter dem Bauherrn um diesen Betrag nicht mehr billiger käme und der Bauherr aufgrund der besseren Durchsetzbarkeit der Gewährleistungspflicht eine offizielle Firma mit dieser Leistung beauftragen könne. Diese Maßnahme wurde im Rahmen der aktuellen Schneider-Studie abgefragt und stößt auf große Zustimmung: 72 Prozent der Bauherren befürworten diesen Punkt. Weitere Forderung: Die Erweiterung des Sonderausgabentatbestandes für die Errichtung und/oder Sanierung von Wohnraum in Verbindung der damit notwendigen Rechnungslegung.

Einsetzen will sich die BI Bau auch für die Anmeldung ab Arbeitsbeginn. Dies sei für den Arbeitgeber technisch via Handy ohne Probleme möglich. Von Behördenseite müssten aber die entsprechenden Einrichtungen - Call-Center über die Gebietskrankenkassen bzw. den Hauptverband der Sozialversicherungsträger - zur Verfügung gestellt werden. Außerdem pocht die BI Bau weiterhin auf der Forderung nach Ausgestaltung der e-card zu einem Identifikationsausweis auf der Baustelle, unterstreicht der Bundesinnungsmeister.

"Um im Rahmen der Standespolitik auf Schattenwirtschaft reagieren zu können, haben die Bauverbände beim Wirtschaftsminister bereits seit längerem die Erlassung von Standesregeln für Bauunternehmen beantragt. Damit bestünde eine zusätzliche Handhabe, um gegen unseriöse Firmen vorzugehen", schloss Lahofer. (US)

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