OeNB - Erhebliche Auswirkungen der Aktienkursrückgänge auf die österreichischen Geldvermögen

~ OeNB Gouverneur Liebscher präsentiert den Finanzmarktstabilitätsbericht 5 der OeNB ~

Wien (OTS) - "Trotz schwieriger Rahmenbedingungen kann die Risikotragfähigkeit der österreichischen Kreditinstitute als zufrieden stellend bezeichnet werden", fasste der Gouverneur
der Oesterreichischen Nationalbank Dr. Klaus Liebscher das
Ergebnis der fünften Ausgabe des Finanzmarktstabilitäts-
berichts der OeNB zusammen.

Die nun schon mehr als drei Jahre anhaltenden Kursrückgänge
auf den internationalen Aktienmärkten haben erhebliche
Auswirkungen auf die österreichischen Geldvermögen gehabt. Die Abwärtsbewegung der Aktienkurse hat die Performance von Lebensversicherungen, Investmentfonds und Pensionskassen
deutlich beeinträchtigt. In den letzten drei Jahren haben die privaten Haushalte Bewertungsverluste von insgesamt rund
7 Mrd EUR erlitten, wie vorläufige Berechnungen der OeNB
zeigen.

Darüber hinaus stellte der Gouverneur fest, dass die inländische Kreditentwicklung im Jahr 2002 vom schwachen konjunkturellen Umfeld beeinträchtigt wurde. So war das
ausstehende Kreditvolumen der Unternehmen im zweiten Halbjahr
2002 sogar rückläufig und verringerte sich Ende desselben
Jahres um 1,8% gegenüber dem Vorjahr. Die Ursache hierfür sei
zum einen die konjunkturell bedingte verminderte
Investitionsneigung der Unternehmen, zum anderen verfolgten
die Banken angesichts des in wirtschaftlich schlechten Zeiten höheren Kreditrisikos von Unternehmenskrediten eine
vorsichtigere Kreditpolitik.

"Die schwierigen Rahmenbedingungen spiegeln sich auch in
einer Verschlechterung der Ertragslage der österreichischen
Banken wider", fügte Liebscher hinzu. Dass sich die
- konsolidierte - Ertragsentwicklung im Jahr 2002 im Vergleich
zu den deutschen Großbanken dennoch um einiges günstiger entwickelt hat, führt der Gouverneur der OeNB nicht zuletzt
auf die guten Ergebnisse der Tochtergesellschaften der österreichischen Großbanken in Zentral- und Osteuropa zurück.
Bei den großen österreichischen Bankkonzernen tragen die Tochtergesellschaften in den zentral- und osteuropäischen
Ländern mittlerweile 30 bis 60% zum Konzernergebnis bei. Der bevorstehende EU-Beitritt dieser Länder sowie die Perspektive
eines längerfristigen Wachstumsvorsprungs gegenüber dem
Euroraum dürften die Rahmenbedingungen für das Bankgeschäft weiter verbessern. Die Kosten haben sich zwar Ende 2002
gegenüber dem Vorjahr annähernd stabilisiert, trotzdem sieht Liebscher Potenzial für weitere Kostensenkungsmaßnahmen.

Nicht zu vernachlässigende Risiken birgt nach Meinung
Liebschers nach wie vor das hohe Volumen der Fremdwährungs-kredite. Während sich der Fremdwährungskreditanteil bei den Unternehmen in den letzten Jahren stabilisiert hat, hielt der
Boom von Fremdwährungsfinanzierungen bei den privaten
Haushalten im vergangenen Jahr unvermindert an. Seit
Jahresbeginn ist der Fremdwährungskreditanteil bei den
Unternehmen allerdings leicht rückläufig und bei den privaten Haushalten stabil. Im April 2003 betrug der Anteil der Fremdwährungskredite am gesamten ausstehenden Volumen bei den Unternehmenskrediten 18,8% (23,8 Mrd EUR), bei den Krediten an private Haushalte sogar 25,0% (16,8 Mrd EUR). "Auch wenn die
mit den Fremdwährungskrediten einhergehenden Risiken bis dato
nicht schlagend geworden sind, stellt der hohe Fremdwährungskreditanteil bei einer Reihe österreichischer
Banken aus Perspektive der Finanzmarktstabilität gleichwohl
ein gewisses Risikopotenzial dar", stellte der Gouverneur fest
und wies darauf hin, dass "dies weiter Anlass zu einer genauen Beobachtung gibt".

Abschließend betonte Liebscher, dass der fünfte Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB die Risikosituation und -tragfähigkeit der österreichischen Kreditinstitute insgesamt positiv beurteilt. Im Jahr 2002 waren keine markanten
Veränderungen der Eigenmittelquote der Banken zu verzeichnen.
Sie lag zum Jahresende unverändert deutlich über der
gesetzlichen Mindestanforderung von 8%. Auch bezüglich der zukünftigen Eigenmittelerfordernisse durch die neue Basler Eigenkapitalvereinbarung (Basel II) stellt sich die derzeitige Eigenmittelausstattung der Banken unbedenklich dar. Dies ergab
die Anfang des Jahres durchgeführte Feldstudie QIS
(Quantitative Impact Study) 3, bei der weltweit Banken die Auswirkungen der neuen Kapitaladäquanzbestimmungen auf ihre Bilanzaktiva getestet haben.

Der Finanzmarktstabilitätsbericht 5 der OeNB, der neben der Analyse finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen auch
Studien zu aktuellen Schwerpunktthemen enthält, ist auf der
Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.

Text und erklärende Grafiken aller Presseaussendungen werden auch auf http://www.oenb.at veröffentlicht.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums /
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB0001