Oberösterreichische Nachrichten 5. Juni 2003 "Ausbeutung der Zukunft" von Karl Danninger

Die skrupellose Ausbeutung der Arbeitskräfte zwecks Maximierung des Wohlstands einer beschränkten Gruppe hat zu Revolutionen geführt und ist abgelöst worden durch eine konsensuale Sozialpolitik. Es ist nun erstaunlich, dass die Vertretung der Ausgebeuteten von einst, der Arbeitnehmer, nun selbst so schwer davon zu überzeugen sind, dass Ausbeutung Dritter ein beträchtliches Gefahrenpotenzial in sich birgt. Denn die Ausbeutung der Zukunft zur Sicherung des Wohlstands von heute ist Ausbeutung und bleibt Ausbeutung.
Wenn sich Arbeitnehmervertreter von heute dagegen sträuben, dass Einschnitte in das Gefüge der Altersversorgung vorgenommen werden, dann stellen sie sich auf eine Ebene mit jenen Arbeitgebern, die vor hundert Jahren erst durch konsequenten Widerstand gegen die Zumutungen an die weithin rechtlosen Arbeitnehmer zu einer gedeihlichen Entwicklung des Gemeinwesens gezwungen worden sind. Wer heute einer zumutbaren Lösung aus parteipolitischen Beweggründen die Zustimmung verweigert, verlagert das Problem in die Zukunft und belastet damit die kommenden Generationen. Es ist dies, wie gesagt, Ausbeutung der Zukunft.
Es ist daher auch nicht verständlich, dass einzelne Berufsgruppen sich noch immer dagegen sträuben, auf historisch gewachsene Vorrechte zu verzichten. Die Berufung auf die vergangene Entwicklung ist zwar Teil der Sozialgeschichte, sichert aber die Zukunft nicht. Wenn beispielsweise die Wiener Gemeindebediensteten noch immer nicht die Pensionsreformen der Jahre 1997 und 2000 akzeptieren, dann beuten sie die Zukunft aus. Und nebenbei auch noch jene Kollegen, die nicht das Glück haben, das Pensionsrecht der gewerkschaftlich X teils unter gewissem Druck t stark organisierten und dadurch privilegierten Gruppen genießen zu können, die so im geschützten Bereich arbeiten dürfen.

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