Greenpeace-Studie: Österreich könnte verseucht werden...

BOKU-Szenarien: "Verdrängte Bedrohung Österreichs durch Unfälle in grenznahen AKW"

Wien – (OTS) Schon bei einem mittleren atomaren Störfall in einem grenznahen Atomkraftwerk könnten weite Teile Österreich durch radioaktiven Fallout verseucht werden. Ausschlaggebend ist weniger die Entfernung als vielmehr die aktuell vorherrschende Wetterlage. Ein Störfall im tschechischen AKW Temelin etwa könnte die Absiedelung weiter Teile Nieder- und Oberösterreichs inklusive St.Pöltens notwendig machen. Ein Unfall im Schweizer AKW Beznau würde Österreich bei entsprechendem Wetter sogar bis in die Steiermark in Mitleidenschaft ziehen und eine Panne im ungarischen AKW Paks könnte zu einer Verseuchung des Burgenlandes und Wiens führen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die das Institut für Meteorologie und Physik (IMP) der Universität für Bodenkultur im Auftrag von Greenpeace erstellt hat. "Grenznahe Atomkraftwerke sind eine beständige, aber offenbar verdrängte Bedrohung", erklärte Erwin Mayer von Greenpeace, "diese Fakten unterstreichen die dringende Notwendigkeit des europäischen Atomausstieges. Eine mutige und engagierte Anti-Atompolitik ist im vitalen Interesse Österreichs. Wir rufen daher alle Menschen in Österreich auf, das Anti-Atomvolksbegehren vom 10. -17. Juni zu unterschreiben!"

Das IMP hat für jahreszeitlich repräsentative Wetter-Szenarien
die
langfristigen Auswirkungen eines mittleren Reaktorunfalls errechnet. Angenommen wurde jeweils ein Störfall, bei dem 15 Prozent des Reaktorinventars an Cs-137 (Cäsium) freigesetzt werden. Dabei würden etwa 10-50 Prozent der beim Unfall von Tschernobyl freigesetzten Menge an Radioaktivität entsprechen. Das Wetter spielt dabei eine sehr wichtige Rolle, da die Verbreitung der Radioaktivität von Wind abhängt und durch "Ausregnen" in den Boden gelangt. Das Alpenland Österreich wäre besonders betroffen: Die Berge stellen oft eine Wetterscheide dar, je nach Windrichtung kommt es zu verstärktem Steigungsregen auf der Nord- oder der Südseite der Alpen.

"Es gibt keine sichere Entfernung zu Atomkraftwerken, wenn etwas passiert. Wie im Fall von Tschernobyl würde es auch bei Störfällen in Paks oder im deutschen AKW Biblis zu einer weiträumigen Verseuchung Mitteleuropas kommen," betonte Mayer. "Ein Unfall in einem AKW in der Nachbarschaft würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer radioaktiven Belastung Österreichs führen, die das Ausmaß der Verseuchung nach Tschernobyl übersteigt. Im Fall des für Temelin errechneten Szenarien etwa wären die Auswirkungen mindestens achtmal so stark wie nach Tschernobyl", unterstrich Mayer.

Jeder der beschriebenen Störfälle würde sowohl kurzfristig als auch
langfristig massive Einschränkungen des täglichen Lebens zur Folge haben: Je nach Grad der Verseuchung wären Maßnahmen wie Verkaufsverbote für landwirtschaftliche Produkte, Einschränkungen oder Verbote für den Aufenthalt im Freien bis hin zur Evakuierung und Absiedelung der betroffenen Bevölkerung notwendig.

"Es gibt kein sicheres Atomkraftwerk – abgesehen von Zwentendorf. Der einzige Ausweg aus diesem ständig bestehenden Bedrohungsszenario ist ein rascher Atomausstieg", sagte Mayer. Österreich müsse die aktuelle Chance nutzen, und mit einem ‚Nein’ in Brüssel den Plänen der EU für die Festschreibung der Sonderrechte der Atomindustrie in der Europäischen Verfassung und neuen EU-Atomkrediten entgegentreten. "Trotz der ständigen Gefahr atomarer Störfälle in unserer Nachbarschaft schweigt die Bundesregierung zu den Plänen der EU für ein Comeback der Atomindustrie. Von Initiativen für den europaweiten Atomausstieg ist noch weniger zu merken. Um die Regierung zu einem konsequenten Anti-Atomkurs zu verpflichten braucht es ein starkes Votum der Bevölkerung beim Atom-Volksbegehren vom 10.-17.Juni 2003.", bekräftigte Erwin Mayer.

Rückfragen & Kontakt:

Erwin Mayer,
Greenpeace Antiatom-Experte,
Tel.: (01)-5454580-48 oder 0664-270 04 41
Matthias Schickhofer,
Greenpeace Pressestelle,
Tel.: (01) -5454580-44 oder 0664-612 67 15
Studie zum download:
http://www.greenpeace.at/download/fallout_folder_short.doc
Originalgrafiken zu bestellen:
Josef Temmel, Tel.: (01)-5454580-26

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