Eisenbahner: Abwehrstreik traf auf gute Resonanz bei den Reisenden

GdE-Vorsitzender Haberzettl: 4040 Züge im Personenverkehr von Streikmaßnahmen betroffen - Verwunderung über Kukacka

Wien (GdE/ÖGB). Der 23stündige Streik der EisenbahnerInnen gegen die Pensionskürzungsreform der Regierung wurde am gestrigen Dienstag lückenlos und ohne Zwischenfälle durchgeführt, erklärte der Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, Mittwoch in einer ersten Bilanz. Von den Streikmaßnahmen im Personenverkehr der Bahn waren insgesamt rund 4040 Züge betroffen. ++++

Haberzettl wies darauf hin, dass ab Streikbeginn am Dienstag um 1 Uhr früh die gesamte Personenbeförderung auf der Bahn eingestellt wurde, die S-Bahn in der Ostregion und die ÖBB-Busse fuhren bis zu Betriebsschluss am Dienstag um 24 Uhr nicht mehr aus. In der Streikleitung der Eisenbahnergewerkschaft, die rund um die Uhr besetzt war, aber auch bei den Streikposten auf den Bahnhöfen äußerten die Reisenden mehrheitlich Verständnis und Zustimmung zu den Forderungen der Gewerkschaft. Auf dem Wiener Westbahnhof dokumentierte eine Reisende aus Tirol ihre Solidarität mit den EisenbahnerInnen, indem sie einem der Streikposten spontan eine im Blumengeschäft des Bahnhofes gekaufte rote Nelke überreichte.

Diese größte Streikaktion der EisenbahnerInnen seit Jahrzehnten brachte nach den Worten des GdE-Vorsitzenden auch eine Reihe von wertvollen Erkenntnissen für künftige Maßnahmen, wie sie etwa im Zuge der Auseinandersetzungen um die von der Bundesregierung beabsichtigte ÖBB-Organisationsreform mit Trennung und Privatisierung der ÖBB notwendig werden dürften. Man habe festgestellt, dass auch im Bereich des Personenverkehrs gezielte Streikmaßnahmen mit hoher Effizienz möglich sind, die von den Reisenden durchaus mit Verständnis quittiert würden.

Wenn Verkehrs-Staatssekretär Kukacka im Vorfeld des Streiktages versucht habe, mit unqualifizierten und nachweislich falschen Aussagen über das Pensionssystem der EisenbahnerInnen Stimmung gegen diese Berufsgruppe zu erzeugen, so sei dieser Versuch sichtlich gescheitert, sagte Haberzettl. Mit Verwunderung werde allerdings von der Eisenbahnergewerkschaft registriert, dass solche Versuche einer neuen "Privilegiendiskussion" ausgerechnet von einem
politischen Alt-Funktionär gestartet würden, dessen Pensionsanspruch erst kürzlich durch seine Ernennung zum Staatssekretär um 170 Prozent auf 11.577,96 Euro erhöht worden sei.
(Schluss)

ÖGB, 4. Juni 2003
Nr. 477

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